Ärzte Zeitung online, 03.07.2018

No-Brexit-Deal

Brexit ist "schlecht für die britische Volksgesundheit"

Der Brexit könnte das britische Gesundheitssystem hart treffen. Der Chef des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS trifft Vorsorgemaßnahmen.

LONDON. Die Brexit-Uhr tickt und in britischen Arztpraxen, Kliniken, Apotheken und anderen Gesundheitseinrichtungen bereitet man sich inzwischen "ernsthaft auf einen No-Deal-Brexit vor". Das sagte der Hauptgeschäftsführer des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS), Simon Stevens, jetzt in London und ließ damit die Alarmglocken schrillen.

Großbritanniens Gesundheitsversorgung müsse auch dann weiterhin sicher gestellt sein, sollte das Königreich im kommenden März aus der EU ausscheiden, ohne das die zukünftige Beziehung zur europäischen Staatengemeinschaft ordentlich geregelt sei, so Stevens.

37 Millionen Arzneimittelpackungen aus dem UK – jeden Monat

Das gelte für alle Aspekte des Medizinbetriebs – angefangen bei einer reibungslosen Arzneimittelversorgung über ausreichend Personal für die Arztpraxen und Kliniken bis hin zu Fragen der Krankenpflege und Medizinforschung. Stevens ist einer der wichtigsten Verantwortlichen des NHS. Sein Wort hat Gewicht.

Als Beispiel nannte Stevens die Arzneiversorgung, bei der Großbritannien eng mit der EU zusammen arbeite. Monatlich kommen rund 37 Millionen Packungen von Medikamenten aus der EU nach Großbritannien. Sollte Großbritannien freilich im kommenden März ohne einen Deal aus der EU ausscheiden, ist unklar, wie die Arzneimittelversorgung weiterhin sichergestellt werden kann.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ist als direkte Folge des Brexit bereits aus London weggezogen, um in der Nähe von Amsterdam ein neues Quartier zu beziehen.

Brexit "schlecht für die britische Volksgesundheit"

Je näher der 29. März 2019 und damit der Brexit-Tag rückt, desto wahrscheinlicher wird nach Einschätzung gesundheitspolitischer Beobachter ein No-Deal-Brexit. Bislang gab es im NHS, der mehr als eine Millionen Beschäftigte hat, offenbar keinerlei Pläne für ein solches Szenario.

"Wir arbeiten eng mit der Pharmaindustrie, der Forschung und natürlich der Politik zusammen, um auf ein No-Brexit-Deal möglichst gut vorbereitet zu sein", sagte Stevens. Vergangene Woche hatte der größte britische Ärzteverband (Brtitish Medical Association, BMA) auf seiner Jahrestagung den Brexit als "schlecht für die britische Volksgesundheit" bezeichnet. Der Ärztebund fordert ein zweites Brexit-Referendum. Das gilt aber derzeit als unwahrscheinlich. (ast)

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