Ärzte Zeitung online, 09.10.2018

Kinderonkologie

WHO will Situation für Kinder mit Krebs verbessern

Eine der weltweit häufigsten Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen ist eine Krebserkrankung. Die Weltgesundheitsorganisation hat nun eine neue Strategie aufgelegt: Bis 2030 soll eine weitere Million Kinder vor dem Krebstod bewahrt werden.

Von Matthias Wallenfels

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Eine schnelle Diagnose und die adäquate Therapie führen in 80 Prozent der kinderonkologischen Fälle zur Heilung.

© FatCamera / Getty Images / iStock

Weltweit beläuft sich die Heilungsrate bei kinderonkologischen Fällen auf derzeit 30 Prozent  – im Schnitt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will diese Rate nun auf 60 Prozent bis zum Jahr 2030 verdoppeln – und damit mehr als eine Million Kinder und Jugendliche vor dem Krebstod bewahren. Als Vehikel dazu dient die dieses Jahr gestartete "Global Initiative for Childhood Cancer".

Das Jahr 2030 ist dabei nicht zufällig gewählt. Denn die WHO hat sich der Ende September 2015 in New York von den Vereinten Nationen verabschiedeten "2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung" – eine Vision mit 17 Zielen und 169 Unterzielen – verpflichtet. Diese sollen der nachhaltigen Entwicklung dienen.

Diese Sustainable Development Goals (SDG) sollen im Zeitraum 2016 bis 2030 erreicht werden. Unter Ziel Nummer drei "Health" sind verschiedene Bestrebungen subsumiert, die vor allem Entwicklungsländer, aber in Teilen auch die Industriestaaten betreffen.

WHO fährt zweigleisigen Ansatz

Wie die WHO betont, handelt es sich bei den meisten kinderonkologischen Fällen um Patienten mit Leukämien, Hirntumoren, Lymphomen oder festen Tumoren wie Neuroblastome oder Wilms-Tumoren. Die WHO fährt bei ihrer Offensive zweigleisig: Zum einen will sie die jeweiligen Länderkapazitäten steigern, um eine kinderonkologische Best-Practice-Versorgung zu erreichen.

Zum anderen will sie bei den Mitgliedstaaten das Thema Kinderonkologie prominenter auf die (gesundheits-)politische Agenda heben, um mehr Finanzmittel auf der nationalen wie auch globalen Ebene zu generieren.

Jedes Jahr werden laut WHO weltweit rund 300.000 Krebsneuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 19 Jahren diagnostiziert. Wie die Organisation betont, müsse der Kampf gegen die Krebsleiden bei Kindern nicht unbedingt teuer sein. 80 Prozent dieser Krebsfälle wären ihrer Prognose zufolge heilbar, kämen generische Medikamente zum Einsatz, die auf der WHO-Liste der essenziellen Arzneimittel (EML) stehen.

Die EML für Kinder beinhalte 22 zytotoxische oder adjuvante Medikamente sowie vier hormonelle Optionen für die zielgruppenspezifische Therapie.

Die Global Initiative for Childhood Cancer arbeitet bei der systematischen und technischen Beratung der WHO-Mitgliedstaaten mit vielen internationalen Partnern zusammen. Darunter befinde sich das St. Jude Children's Research Hospital in den USA – das erste "WHO Collaborating Centre on childhood cancer" –, das 15 Millionen US-Dollar bereitstelle, um die Initiative zu unterstützen.

"Der Krebs verkürzt zu viele Kinderleben, und die Überlebensraten in armen Ländern sind skandalös niedriger als in wohlhabenden Staaten", verdeutlicht WHO-Generalsekretär Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Wir hoffen, dass die Partnerschaft mit St. Jude einen Schritt zur Bekämpfung dieser Ungerechtigkeit darstellt", ergänzt er.

Prominente Partner im Boot

Im Rahmen der weltumspannenden Initiative arbeitet die Weltgesundheitsorganisation unter anderem mit der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC sowie der Internationalen Atomenergiebehörde zusammen. Die gemeinsamen Anstrengungen sollen dazu führen, dass

  • das politische Commitment in puncto kinderonkologischer Diagnose und Therapie gesteigert wird;
  • Regierungen darin unterstützt werden, qualitativ hochwertige Krebszentren sowie regionale Zweigstellen zu etablieren, die die zeitnahe und angemessene Diagnostik sowie die effektive Behandlung sicherstellen;
  • Standards und Lösungen entwickelt werden, die die Planung und Implementierung von Interventionen für die Krebsfrüherkennung, die Behandlung und die Palliativversorgung sowie die Nachsorge für die Überlebenden gewährleisten;
  • der Zugang zu erschwinglichen und essenziellen Medikamenten und Medizintechnik verbessert wird;
  • Regierungen dahingehend unterstützt werden, Familien mit krebskranken Kindern gegen einen krankheitsbedingten finanziellen Ruin sowie die soziale Isolation abzusichern.
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