Ärzte Zeitung online, 30.12.2013
 

Arznei-Innovationen

Fortschritte gegen Infektionen in Sicht

Neue Arzneimittel gegen multiresistente Keime, eine noch höhere Heilungsquote bei Hepatitis C sowie wirksamere Mittel gegen mehrere Formen von Krebs dürften zu den wichtigsten medizinischen Neuerungen 2014 zählen.

BERLIN. Zwei neue Breitband-Antibiotika und zwei neue Medikamente gegen Tuberkulose werden voraussichtlich im kommenden Jahr die Zulassung erhalten. Sie wurden eigens gegen multiresistente Keime entwickelt.

"Multiresistente Bakterien sind weltweit eine wachsende Gefahr, weil ältere Medikamente gegen sie nichts mehr ausrichten. Ihre Bekämpfung hat auch Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden. Hier leistet die Pharmabranche einen wesentlichen Beitrag", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Pharmaunternehmen, Birgit Fischer, am Freitag vor dem Hintergrund einer Auswertung der laufenden Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel.

Auch bei chronische Hepatitis C sind weitere Fortschritte zur erwarten: Bei kürzeren Behandlungszeiten sollen Erfolgsquoten von über 90 Prozent nach Einschätzung von Fachleuten möglich werden.

Neue Krebsmedikamente dürften Menschen helfen, die an Prostata-, Brust-, Eierstock- oder Schilddrüsenkrebs, Melanomen oder chronischer lymphatischer Leukämie leiden.

Bei drei der Medikamente lässt sich schon vor der Anwendung dank eines Vortests absehen, ob diese dem betreffenden Patienten helfen können; ein Prostatakrebs-Mittel wird sogar individuell für den Erkrankten zubereitet.

"Damit erweitern Pharmafirmen die Möglichkeiten der 'Personalisierten Medizin‘, die den Erkrankten zielgerichteter geeigneten Therapien und dem Gesundheitswesen zu mehr Effizienz verhilft", so Fischer.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei schubförmiger Multipler Sklerose sollen 2014 noch einmal um bis zu drei Medikamente erweitert werden. Sie sollen Betroffenen helfen, seltener als bisher Krankheitsschübe zu erleiden. Zwei davon lassen sich als Tabletten einnehmen.

Im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen dürften insbesondere Patienten mit Lungenhochdruck, einer Gruppe seltener Krankheiten, erweiterte Behandlungsmöglichkeiten erhalten.

Auch andere Patienten mit seltenen Leiden könnten 2014 Fortschritte erleben: Gleich ein Viertel aller kommenden Medikamente richtet sich gegen Orphan-Diseases, zu denen beispielsweise auch erblicher Muskelschwund, Infektionen bei Frühchen und das Morquio A-Syndrom zählen - eine Krankheit, die zu deformierten Knochen führt.

"Damit", so Fischer, "trägt die Pharmabranche einen Teil zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans für Menschen mit seltenen Erkrankungen bei, der im August 2013 verabschiedet wurde." (HL)

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