Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 31.01.2014

Prognose 2014

Pharma ist verhalten optimistisch

Mehr als drei Jahre haben die forschenden Pharma-Unternehmen ein tiefes Tal der Kostendämpfung durchschritten. Trotz des Dauer-Preisstopps bis 2017 fällt die Prognose für das neue Jahr erstmals wieder etwas zuversichtlicher aus.

Von Helmut Laschet

grafik-pharmabranche-A.jpg

FRANKFURT/MAIN. "Verhalten optimistisch" - so charakterisiert der Vorsitzende des Verbandes Forschender Pharmaunternehmen (vfa), Dr. Hagen Pfundner, die Erwartungen seiner Branche an das Jahr 2014.

Hintergrund ist, dass der gesetzliche Rabatt auf Arzneien ohne Festbetrag, der zum 1. August 2010 mit einem Preismoratorium auf 16 Prozent erhöht worden war, zum 1. Januar 2014 wieder auf sechs Prozent gesunken ist. Zum 1. April steigt er - in Kombination mit einer Verlängerung des Preisstopps bis 2017 - auf sieben Prozent.

Die teilweise Lockerung der Kostendämpfungsinstrumente lässt die Branche auf moderates Wachstum hoffen, wie aus einer Umfrage unter den vfa-Mitgliedsfirmen hervorgeht, die Pfundner am Freitag in Frankfurt vorstellte.

Der Inlandsumsatz könnte um fünf Prozent auf 18,4 Milliarden Euro steigen; etwa die Hälfte davon entfällt auf die einmalig wirksame Reduzierung des gesetzlichen Rabatts, die andere Hälfte auf strukturelle Nachfrageveränderungen.

Der Export, der seit Mitte 2010 rückläufige Inlandsumsätze kompensieren musste, beschleunigt sein Wachstum mit 4,5 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen um vier Prozent auf einen neuen Rekordwert von 5,7 Milliarden Euro wachsen.

Die Sachinvestitionen, die vor allem 2011 um fast 15 Prozent zurückgefahren wurden, steigen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 990 Millionen Euro. Die Beschäftigtenzahl - seit 2011 rückläufig, soll nun geringfügig um 0,3 Prozent auf 77.800 Mitarbeiter steigen.

Bedrohliche Wechselwirkungen

In den zurückliegenden vier Jahren habe die Branche von der Substanz gelebt, kritisiert Pfundner. Volkswirtschaftlich habe das per Saldo geschadet. Positiv zu werten sei der im Koalitionsvertrag angekündigte Innovationsdialog, mit dem Gesundheits-, Wirtschafts- und Forschungspolitik integriert werden sollen.

Hier steht die Branche allerdings noch am Beginn ihrer Überzeugungsarbeit. Ordnungspolitische Bedenken richten sich aktuell gegen zwei Regulationen.

Die eine ist das andauernde Preismoratorium. Dies schreibt das Preisniveau auf dem Stand von Herbst 2009 fest. Die bis 2017, dem jetzt fixierten Ende des Preisstopps, auflaufenden Kostensteigerungen, die nicht im Markt weitergegeben werden können, beziffert Pfundner auf 1,9 Milliarden Euro jährlich.

Die zweite Bedrohung resultiert aus einem vom Bundesgesundheitsministerium eingebrachten Änderungsantrag für ein Gesetz, das zur Jahresmitte 2014 in Kraft treten soll: Danach sollen als Folge früher Nutzenbewertungen nicht mehr (vertrauliche) Rabatte vereinbart werden, sondern offizielle Preise.

Was zunächst nach einem rein technokratischen Eingriff aussieht, hat langfristig Sprengkraft für die Unternehmen, weil die neuen offiziellen Erstattungspreise Signalwirkung für die Auslandsmärkte haben. Diese internationalen Wechselwirkungen sind bedrohlich für eine Branche, deren Exportanteil schon jetzt bei 66 Prozent liegt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Parodontitis als Risikofaktor für Krebs?

Ist eine Zahnbettentzündung ein Risikofaktor für bestimmte Krebsarten? Innerhalb einer großen Gruppe Frauen in der Menopause haben Forscher deutliche Zusammenhänge gefunden. mehr »

Kinder suchtkranker Eltern brauchen mehr Beachtung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, fordert eine bessere Versorgung und Betreuung der Kinder von Suchtkranken. Kinder von Suchtkranken sind diesmal Schwerpunkt des Drogenberichts. mehr »

Hilfe für die Seele gefordert

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Die Psychoonkologie soll helfen. Aber die Unterstützung ist wenig bekannt und unterfinanziert. mehr »