Ärzte Zeitung online, 07.05.2014

Biopharmazeutika

Die Grenzen des Wachstums

Gentechnologisch hergestellte Arzneimittel boomen. Noch: Denn die Grenzen des Wachstums lägen bereits in Sichtweite, stellen Vertreter der Branche fest. Um den Schwung halten zu können, fordern sie Steuererleichterungen für die Unternehmen und für Geldgeber.

BERLIN. Rheuma- und Krebserkrankungen treiben die Umsätze bei Biopharmazeutika. Sie wuchsen im vergangenen Jahr um 8,5 Prozent auf mehr als 6,5 Milliarden Euro netto, und damit stärker als der Arzneimittel-Gesamtmarkt, der ein Wachstum von 4,1 Prozent aufweist.

2013 sind 14 neue Biopharmazeutika zugelassen worden, knapp ein Drittel aller Neuzulassungen überhaupt.

Das geht aus dem Branchenreport "Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2014" hervor, den die Interessengruppe Biotechnologie (vfa bio) im Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

386 Unternehmen in Deutschland nutzen die Gentechnik, um Arzneien herzustellen. Das sind sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

"Es ist der weiter wachsende medizinische Bedarf - insbesondere in den Bereichen Immunologie und Onkologie -, der im vergangenen Jahr die Umsätze hat weiter wachsen lassen", sagte Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von vfa Bio.

Allein die Therapien immunologischer Erkrankungen, darunter Gelenkrheuma, sowie Krebstherapien trugen ausweislich des Berichtes ein Viertel zum Wachstum des Branchenumsatzes bei. Rund 80 Prozent der Biopharmazeutika würden von niedergelassenen Ärzten verschrieben, hieß es beim vfa.

Auslaufende Patente und Neuentwicklungen

Die zukünftige Entwicklung der Branche wird von zwei Tendenzen geprägt: auslaufende Patente und Neuentwicklungen.

In den kommenden drei bis fünf Jahren liefen die Patente einiger der umsatzstärksten Biopharmazeutika aus, sagte vfa-Geschäftsführer Dr. Siegfried Throm. Wie sich dies auf die Umsätze auswirke, sei im Voraus schwer in Zahlen zu fassen.

Gleichzeitig befinden sich derzeit 587 Biopharmazeutika in der klinischen Erprobung. Eine Phase-3-Studie koste ein Unternehmen rund 100 Millionen Euro. "Man kann sich also ausrechnen, welche gigantischen Beträge in diese Pipeline investiert werden", sagte Frank Mathias.

Mit einem signifikanten Anstieg bei den neuen Forschungsvorhaben rechnet Mathias jedoch nicht. Es zeichneten sich die Grenzen des Wachstums ab. Dies könne zumindest teilweise auch auf fehlende Investitionskraft bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen zurückgeführt werden.

Mathias forderte die Regierung auf, ein innovationsfreundlicheres Umfeld zu schaffen. Hilfreich wäre eine steuerliche Forschungsförderung, zum Beispiel eine Steuergutschrift von zehn Prozent der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Nötig sei zudem die Möglichkeit von Verlustvorträgen über mehrere Jahre sowie als Erleichterung für Private Equity-Investitionen steuerfreie Veräußerungserlöse, sofern diese reinvestiert würden. (af)

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