Ärzte Zeitung, 30.11.2015

Sachsen-Anhalt

800 Millionen Euro fehlen den Kliniken

In Sachsen-Anhalt hat sich ein Investitionsbedarf für Kliniken aufgebaut, der absehbar vom Land kaum abgetragen werden kann.

MAGDEBURG. 800 Millionen Euro fehlen Sachsen-Anhalts Krankenhäusern für notwendige Investitionen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Halle (ISW).

Von 2006 bis 2013 habe sich ein Stau in Millionen-Höhe aufgebaut, weil das Land nicht ausreichend in die Krankenhäuser investiere. Dieser Ansicht ist Dr. Gösta Heelemann, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft.

Auch in diesem Punkt sei Sachsen-Anhalt mittlerweile Schlusslicht in den östlichen Bundesländern. Laut ISW-Studie werde es in den kommenden Jahren kaum gelingen, den Investitionsstau abzubauen, zumal die Anforderungen an die Häuser auch aufgrund der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren weiter steigen.

Bis 2025 prognostiziert das Institut einen jährlichen Investitionsbedarf von 164 Millionen Euro, unter Berücksichtigung der älter werdenden Bevölkerung sogar 191 Millionen Euro.

Landesgesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) nimmt die Kritik der Krankenhausgesellschaft ernst: "Alle Ländern müssen mehr investieren. Auch wir."

Eine Lösung indes hat auch er nicht parat und mit Unterstützung vom Bund ist nicht zu rechnen. Der Gesundheitsminister setzt auf gemeinsame Überlegungen mit der Krankenhausgesellschaft mit dem Ziel, den Investitionsstau schrittweise abzubauen.

Viel Zeit bleibt dafür nicht. "Dass wegen eines schönen Gebäudes kein Investitionsbedarf besteht, ist ein Irrglaube", meint Heelemann.

Alte Beatmungsgeärte am Klinikum Magdeburg

Moderne Technik sei schnell veraltet, müsse gewartet, überholt oder ersetzt werden. Das Klinikum Magdeburg arbeitet teilweise mit zwei Jahrzehnte alten Beatmungsgeräten. Sie störungsfrei am Laufen zu halten, bereite den Technikern oft enorme Probleme.

Allein diesem Klinikum schuldet das Land 30 Millionen Euro für notwendige Investitionen. 1998 entstand dort ein Übergangsgebäude in Containerbauweise. Nutzungsdauer: Fünf Jahre.

Im kommenden Jahr soll und muss es durch einen Neubau ersetzt werden. "Nur einen Teil der Kosten wird das Land übernehmen", sagt Geschäftsführer Knut Förster. Er hat das Glück, dass das Klinikum wirtschaftlich (noch) ganz gut da steht.

Geld, das übrig bleibe, könne in Investitionen fließen. Auf Dauer werde das aber nicht funktionieren, zumal auch das neue Krankenhausgesetz keine Entlastung verspreche.

Seit Jahren werden dem Klinikum Magdeburg pauschale Fördermittel gekürzt. "Statt der rund 1,3 Millionen Euro brauchen wir mehr als das Doppelte", sagte Förster. (zie)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

SPD will "Ende der Zwei-Klassen-Medizin"

14:10 Nach der knappen Abstimmung pro GroKo-Verhandlung geht es nun darum, die auf dem SPD-Parteitag angesprochenen "Nachbesserungen" in den Koalitionsvertrag reinzuverhandeln. KBV und Hartmannbund reagieren skeptisch. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »