Ärzte Zeitung online, 02.03.2016
 

Abrechnungsbetrug

Lob für Transparenz unter Ärzten

HANNOVER. Die Ärzteschaft hat große Fortschritte dabei gemacht, ihre Interessenkonflikte offen zu legen. Das sagte der Sozialmediziner Professor David Klemperer von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg am Mittwoch in Hannover bei der 7. Fachtagung "Betrug im Gesundheitswesen" der KKH.

Es habe sich eine Kultur der Transparenz entwickelt, lobte Klemperer.Nachholbedarf sieht der Sozialmediziner indessen bei der Fortbildung: "Bei der Finanzierung der Fortbildungen brauchen wir eine Zeitenwende". Die Industrie als Geldgeberin solle zurückgedrängt werden. "Leider gibt es hier bei den Ärztekammern noch zu wenig Bewegung."

Bei der Tagung gab die Kaufmännische Krankenkasse auch die Zahlen für aufgedeckten Abrechnungsbetrug im vergangenen Jahr bekannt: Demnach ist der KKH 2015 ein Schaden von 1,4 Millionen Euro entstanden. Von den 237 Fällen waren 138 Krankengymnasten und Physiotherapeuten etwa mit der Abrechnung nicht erbrachter Leistungen beteiligt.

Nur elf Ermittlungsfälle entfielen auf ärztliche Leistungen. Sie machten eine Schadenssumme von rund 55.700 Euro aus. 43 Mal war es die ambulante Pflege, zum Beispiel mit erfundenen Dienstplänen und 26 mal Apotheken, die zum Beispiel Rezepte abrechneten, ohne einem Patienten Medikamente gegeben zu haben.

Die Apotheken haben aber mit rund 587.000 Euro den höchsten Schaden verursacht. "Die Gesamtschadensumme liegt ungefähr bei der Summe von 2014", sagte KKH Vorstandsvorsitzender Ingo Kailuweit. "Allerdings ist das, was wir finden, immer nur die Spitze des Eisberges."

Topics
Schlagworte
Gesundheitswirtschaft (1270)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »