Ärzte Zeitung, 19.01.2017
 

Digitalisierung

Gesundheitswirtschaft politisch unterschätzt

Wer mit Gesundheit Geld verdient, sollte sich nicht schämen müssen, so Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister.

KIEL. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) hat zum Auftakt des Kongresses "Vernetzte Gesundheit" in Kiel bemängelt, dass die Politik die Bedeutung des Gesundheitswesens für die Volkswirtschaft noch immer nicht angemessen wahrnimmt. Er forderte die Branche auf, selbstbewusster aufzutreten. "Solange es noch einen Proteststurm auf die Aussage "Mit Gesundheit darf man Geld verdienen" gibt, haben wir ein Problem", sagte der SPD-Minister.

Sein Ministerium richtet den zweitägigen Kongress, zu dem jährlich rund 400 Branchenkenner an die Ostsee kommen, aus. Meyer forderte die Akteure im Gesundheitswesen auf, ihre positiven Resultate wesentlich deutlicher herauszustellen.

Nach seiner Ansicht hat das Gesundheitswesen insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht noch viel Potenzial. Schon heute werde im nördlichsten Bundesland jeder siebte Euro im Gesundheitswesen erwirtschaftet, rund 220.000 Beschäftigte gebe es. "Wer angesichts dieser Daten Gesundheit nur als Kostenfaktor sieht, hat die Bedeutung der Branche nicht verstanden. Gesundheit ist ein Wachstums- und Beschäftigungsmotor", sagte Meyer.

Wachstumstreiber Digitalisierung

Als Wachstumstreiber wurde zum Auftakt der Konferenz von vielen Beteiligten die Digitalisierung genannt. Als Hemmschuh könnte sich der Fachkräftemangel erweisen. Nach Ansicht von Experten wie dem Chef des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) Professor Jens Scholz kann Arbeit zwar durch Technisierung erleichtert werden, die menschliche Arbeitskraft werde aber im Gesundheitswesen stärker als in anderen Branchen unverzichtbar bleiben.

Roboter könnten durch Hilfstätigkeiten für Entlastung sorgen – aber erst nach einer "Gewöhnungszeit". Neben einem verstärkten Einsatz von Technik hofft Barmer-Vorstand Dr. Mani Rafii auf positive Effekte durch Delegation. Nach seiner Beobachtung könnte die qualifizierte menschliche Arbeitskraft damit gezielter eingesetzt werden.

Als "zweischneidig" empfinden die Experten den Zuzug zahlreicher ausländischer Fachkräfte. Das unterschiedliche Lohnniveau führt weltweit zu Wanderungsbewegungen, die die Gesundheitsversorgung in Ländern mit niedrigen Einkommen weiter erschweren. Für einen Verzicht auf Fachkräfte aus anderen Ländern sprach sich in Kiel allerdings niemand aus. (di)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Pflege: Kollege Roboter

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tausende HPV-Tumoren pro Jahr sind vermeidbar

Viele Krebserkrankungen in Deutschland ließen sich durch einen HPV-Schutz vermeiden, so RKI-Berechnungen. Das Institut rät zum Impfen - das könnte auch bei Jungen sinnvoll sein. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »