Ärzte Zeitung online, 03.09.2018

Wertschöpfung

So wichtig ist die Gesundheitswirtschaft für die Bundesländer

Die Gesundheitswirtschaft ist eine der größten Branchen in Deutschland. Sie wächst nachhaltig überproportional und gibt Millionen Menschen Brot und Arbeit.

Von Helmut Laschet

So wichtig ist die Gesundheitswirtschaft für die Bundesländer

Die Wertschöpfungen von stationärem und ambulantem Sektor liegen nahe beieinander. Aber ambulante Medizin und Pflege wachsen dynamischer.

© Kurhan / stock.adobe.com

BERLIN. Die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft ist 2017 um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 349,8 Milliarden Euro gestiegen.

Ihr Anteil an der gesamten Wertschöpfung in Deutschland ist damit konstant geblieben, allerdings in den vergangenen elf Jahren um 1,2 Prozentpunkte auf 11,9 Prozent gewachsen.

Dies geht aus Daten hervor, die das Bundeswirtschaftsministerium regelmäßig zur Entwicklung der Gesundheitswirtschaft publiziert.

Besonders bedeutsam ist die Branche als arbeitsmarktpolitischer Faktor: Insgesamt 7,3 Millionen Menschen geben Medizin, Pflege, industrielle Gesundheitswirtschaft sowie Handel und Verwaltung Brot und Arbeit. Tendenz weiter wachsend, wobei die Dynamik seit einiger Zeit durch Arbeitskräftemangel gebremst wird.

Beachtlich sind auch die Ausstrahlungseffekte der Gesundheitswirtschaft auf andere Branchen: Weitere 147 Milliarden Euro werden durch indirekte Effekte, beispielsweise Vorleistungen (Einkäufe) von Krankenhäusern, Praxen oder Industrie generiert.

Darüber hinaus entstehen induzierte Effekte von 121 Milliarden Euro, etwa die Konsumnachfrage der Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Selbstzahlermarkt verhaltener

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Überproportional wächst dabei langfristig der kollektiv finanzierte Kernbereich der Gesundheitswirtschaft: im Schnitt jährlich seit 2006 um vier Prozent auf nunmehr 302 Milliarden Euro.

Deutlich verhaltener mit 2,6 Prozent pro Jahr entwickeln sich individuell finanzierte Gesundheitsleistungen, deren Volumen vergangenes Jahr 47 Milliarden Euro erreichte. Darin enthalten sind beispielsweise auch die von Krankenkassen kritisierten individuellen Gesundheitsleistungen der Ärzte.

Die BMWi-Daten zeigen jedenfalls, dass privat finanzierte Märkte alles andere als eine überaus dynamisch wachsende Goldgrube sind.

Der wichtigste Kernbereich der Gesundheitswirtschaft ist die medizinische Versorgung: Hier stieg die Bruttowertschöpfung seit 2006 um knapp 56 Prozent auf 188,3 Milliarden Euro.

Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten um 1,1 auf 4,7 Millionen Menschen zu. Das heißt: Jeder neunte Arbeitsplatz in Deutschland zählt zur medizinischen Versorgung.

Ambulante Medizin wächst dynamisch

Mit jeweils gut 97 und 91 Milliarden Euro liegen die Wertschöpfungen von stationärem und ambulantem Sektor nahe beieinander. Aber ambulante Medizin und Pflege wachsen seit Jahren mit 4,6 Prozent dynamischer als stationäre Einrichtungen mit 3,8 Prozent, so dass zu erwarten ist, dass der Wert ambulanter Dienstleistungen in wenigen Jahren den des stationären Sektors übertreffen wird.

Schon jetzt sind ambulante Medizin und Pflege mit 2,7 Millionen Arbeitsplätzen der bedeutendere Arbeitgeber (jährliches Wachstum seit 2006 im Schnitt: 2,6 Prozent).

In stationären Einrichtungen sind zwei Millionen Menschen beschäftigt (Wachstum seit 2006: im Schnitt 1,9 Prozent).

Und wie sieht der Beitrag niedergelassener Ärzte aus? Ihre Bruttowertschöpfung ist seit 2006 kontinuierlich im Schnitt um 3,9 Prozent pro Jahr auf 45,5 Milliarden Euro gestiegen.

Sie sind der bedeutendste Teil der nichtstationären Versorgung, zu der auch die Zahnarztpraxen, nichtärztliche Heilberufe sowie die ambulante Pflege zählen.

Insgesamt sind in den Praxen der niedergelassenen Ärzte 715.000 Menschen beschäftigt, knapp 83.000 mehr als im Jahr 2006.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Erstmals hat das Bundeswirtschaftsministerium in diesem Jahr die Daten der Gesundheitswirtschaft regionalisiert und nach Bundesländern differenziert. Die Ergebnisse liefern einige überraschende und vor allem auch wirtschaftspolitisch wichtige Erkenntnisse zur regionalen Bedeutung der Gesundheitswirtschaft.

Nicht überraschend: die großen und wirtschaftsstarken Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen erzeugen mit 174 Milliarden Euro gut 50 Prozent der Wertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft. Völlig anders sieht es aber mit der relativen Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für die einzelnen Bundesländer aus.

Hat die Gesundheitswirtschaft in Deutschland insgesamt einen Anteil an der Bruttowertschöpfung von 11,9 Prozent, so liegen die Werte für Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bei jeweils 15 Prozent (siehe nachfolgende Grafik).

In Sachsen-Anhalt und Thüringen stehen sie bei 13,7 und 13,5 Prozent, in Berlin bei 13,6 Prozent, und auch in Brandenburg (12,5 Prozent) und Sachsen (12,2 Prozent) sind sie über dem Durchschnitt.

Unter westlichen Bundesländern ragt lediglich Hessen mit einem Wert von 13,5 heraus, der sich mit einem überragenden Einfluss der industriellen Gesundheitswirtschaft, insbesondere der pharmazeutischen Industrie erklären lässt.

Der Blick lässt sich noch in ein weiteres Detail vertiefen: der regionale Anteil der medizinischen Versorgung an der Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft.

Er liegt in allen östlichen Ländern zwischen 61 und fast 66 Prozent (Bundesdurchschnitt knapp 54 Prozent).

Das heißt: Der Kernbereich der medizinischen Versorgung ist in diesen strukturschwachen Regionen auch ein sehr bedeutsamer Wirtschaftsfaktor, der zu Beschäftigung und Wohlstand beiträgt.

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