Ärzte Zeitung online, 25.05.2019

Anlagenkolumne

Früher war durchaus nicht alles besser

Von Richard Haimann

Die Europäische Zentralbank versucht, mit ihrer Tiefzinspolitik die Wirtschaft in Europa zu stabilisieren. Das freut Politiker. Andererseits werfen sie der EZB gerne vor, sie enteigne damit jene Anleger, die verantwortungsbewusst sparen.

Tatsächlich bewegen sich die Zinssätze auf Sparbüchern, Tages- und Festgeldkonten in einer Bandbreite zwischen Null und einem Prozent. Wobei letztere nur bei mehrjährigen Einlagen gewährt werden. Das ist deutlich weniger als in den 1970er und 1980er Jahren, als Einlagen auf Sparbücher teilweise mit mehr als vier Prozent verzinst wurden.

Allerdings wird bei dieser Betrachtung ein wichtiger Faktor ausgeblendet: die Teuerung. Sie lässt die Preise steigen und vernichtet so einen Teil des Werts von Spareinlagen, werden diese nicht im selben Umfang verzinst.

Früher waren aber nicht nur die Zinsen höher, sondern auch die Inflationsrate. 1981 beispielsweise betrug sie 6,34 Prozent. Im bisherigen Verlauf dieses Jahres hingegen liegt die Teuerungsrate im Schnitt bei nur 1,6 Prozent.

Blick auf die Realzins-Statistik der Bundesbank

Wird die Inflationsrate vom Sparzinssatz subtrahiert, ergibt dies den sogenannten Realzinssatz: Ein positiver Wert zeigt, dass Spareinlagen einen Ertrag oberhalb der Teuerung ergeben und somit einen Kaufkraftzuwachs. Ein negativer Wert zeigt, dass die Ertragszinsen mit der Inflation nicht Schritt halten und Sparer einen Kaufkraftverlust erleiden.

Ein Blick in die langfristige Realzins-Statistik der Bundesbank offenbart nun, dass die Zinsen auf Spareinlagen häufig unter der Inflationsrate lagen. Denn Banken knauserten immer bei Sparzinsen. Interessant ist dabei, dass der Kaufkraftverlust früher zum Teil größer war als heute.

1975 lag der Realzins bei minus 2,49 Prozent, 1981 bei minus 2,14 Prozent. Im Dezember 2018, der letzten Angabe in der Statistik, waren es hingegen nur minus 1,5 Prozent.

Richard Haimann ist freier Wirtschaftsjournalist in Hamburg. Er schreibt über Finanzthemen für in- und ausländische Publikationen.

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