Ärzte Zeitung, 26.05.2014

Kommentar zur Tarifeinheit

Eine Frage der Qualität

Von Christiane Badenberg

Die Begriffe Wettbewerb und Qualität werden im Gesundheitswesen inflationär gebraucht. Patienten als Kunden sollen sich Ärzte und Kliniken aussuchen können, die den Qualitätswettbewerb gewonnen haben. Das wird immer wieder propagiert.

Warum sollen Ärzte dann aber nicht entscheiden dürfen, welche Gewerkschaft für sie über ihre Arbeitsbedingungen und ihre Gehälter verhandelt? Genau das würde passieren, wenn die Bundesregierung tatsächlich ein Gesetz zur Tarifeinheit verabschiedet, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht.

Dann würde wahrscheinlich wieder Verdi für Ärzte mitverhandeln und nicht der Marburger Bund eigene Tarifverträge abschließen. Das war bis 2006 so, dann wurde die Tarifgemeinschaft aufgekündigt. Offenbar eine Frage der Qualität. Die Ärzte fühlten sich von Verdi nicht mehr gut vertreten. Sie bevorzugen eine Gewerkschaft, die ihre Belange besser im Blick hat.

Wird hier von der Regierung mit zweierlei Maß gemessen? Wenn es um ihre Arbeit geht, werden Ärzte auf allen Ebenen mit dem Qualitätsbegriff konfrontiert - vom Qualitätsmanagement, über den Qualitätsbericht, bis zum Qualitätsinstitut. Aber wenn es um ihre eigene gewerkschaftliche Interessenvertretung geht, sollen sie bei der Qualität plötzlich Abstriche hinnehmen?

Lesen Sie dazu auch:
Marburger Bund: Tarifpluralität bleibt Top-Thema

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