Ärzte Zeitung, 09.09.2014

Kommentar zur Tarifeinheit

Finger weg vom Grundgesetz

Von Christiane Badenberg

Die Regierung will zum Grundsatz "ein Betrieb - ein Tarifvertrag" zurückkehren. Damit will sie den Einfluss der Spartengewerkschaften beschneiden.

Die Arbeitgeber unterstützen dieses Vorhaben nach Kräften. Wenn Piloten und anderes Luftfahrtpersonal sowie Lokführer weiterhin ihre Schlüsselpositionen so ausnutzen wie in den vergangenen Wochen und Monaten, wird die Stimmung in der Bevölkerung kippen. Dauernd nicht zu wissen, ob der Flieger nun abhebt oder der Zug rollt, führt zu Unmut.

Leidtragende einer solchen Entwicklung wären unter anderem die Klinikärzte. Sie haben sich vor Jahren mit Streiks ihre eigenen Tarifverträge erkämpft. Gehälter und Arbeitsbedingungen der Ärzte haben sich seitdem deutlich verbessert.

Das hat mit dazu beigetragen, die Arbeit in den Kliniken wieder attraktiv zu machen. Über Gebühr strapaziert hat die Berufsgewerkschaft Marburger Bund das Streikrecht nicht.

Die Rechte der Spartengewerkschaften zu beschneiden ist juristisch nur schwer durchsetzbar.

Und das ist trotz aller Widrigkeiten gut so: Ein gesetzlich garantiertes Grundrecht wie das Streikrecht einzuschränken, dafür bedarf es mehr als nur ein paar Unannehmlichkeiten.

Dennoch sollte der Bogen auch nicht überspannt werden.

Lesen Sie dazu auch:
Gutachten: Zwang zur Tarifeinheit ist verfassungswidrig

Topics
Schlagworte
Gewerkschaften (284)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »