Ärzte Zeitung online, 05.11.2015

Marburger Bund

Ärzte klagen über zu wenig Zeit am Bett

BERLIN. Sowohl die Ärzte im Krankenhaus als auch ihre Patienten gehen zu großen Teilen davon aus, man habe zu wenig Zeit füreinander. Das geht aus Umfragen des Marburger Bundes sowie der Bertelsmann Stiftung und der Weissen Liste hervor.

Auf die Frage des MB-Monitors 2015 "Steht Ihnen für die Behandlung der Patienten ausreichend Zeit zur Verfügung?" antworteten 69 Prozent der der knapp 4000 Befragten mit nein. 48 Prozent von 1750 für die ZDF-Talkshow von Maybrit Illner (5. November) befragte Patienten antworteten auf eine entsprechende Frage, die Ärzte hätten sich zu wenig Zeit für sie nehmen können.

Arbeitszeiten belasten Gesundheit

Arbeitsverdichtung, Personalmangel und Bürokratie belasten die Ärzte auch nach zumindest nominellen Verbesserungen in den Tarifen. 72 Prozent haben ausweislich des MB-Monitors das Gefühl, dass die Gestaltung der Arbeitszeiten ihre Gesundheit belaste. 77 Prozent berichten davon, dass unter der Arbeitsbelastung das Privatleben leide.

Die Ärzte ständen unter ökonomischem Druck, sagte Marburger Bund Chef Dr. Rudolf Henke am Donnerstag in Berlin. Nach wie werde die Wochenarbeitszeit trotz der tariflich vereinbarten 38 bis 42 Stunden bei vielen überschritten. Ein Fünftel der Ärzte arbeite bis zu 79 Stunden in der Woche. (af)

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[10.11.2015, 19:45:54]
Dr. Claus Kühnert 
- zu wenig Zeit am Patientenbett
Das ist doch im Allgemeinen nicht die Schuld der Ärzteschaft, sondern systembedingt! Grundsätzlich beginnt der Fehler bereits während des Studiums und auch der Fachausbildung. Wir benötigen seit Jahren eine verbesserte patientennahe Grund- und Fachausbildung. Das Gespräch mit dem Patienten und die insbesondere damit verbundene Anamneseerhebung müssen sehr dringlich wieder intensiviert und optimiert werden, dann kommt man auch zu einer guten Diagnose (solide Grundkenntnisse voraus gesetzt)und weniger überteuerter Apparatemedizin. Natürlich muss das Patientengespräch auch angemessen honoriert und nicht als Stiefkind betrachtet werden.
Jedem Studiosus und "gestandenem" Kollegen seien die Bücher von Bernard Lown ("Die verlorene Kunst des Heilens" + "Heilkunst") empfohlen. Insbesondere für Politiker und Bundestagsabgeordnete sollte es zur Pflichtlektüre 'verordnet' werden!

Mit freundlichen Grüßen dokuet
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