Ärzte Zeitung, 18.12.2017

MB-Umfrage

Kollege Computer sorgt in der Klinik für Unmut und Hoffnung

Die Hoffnungen der Ärzte fliegen hoch, beim tatsächlichen Stand der Digitalisierung in den Krankenhäusern ist aber noch Luft nach oben. Der Marburger Bund fordert zehn Milliarden Euro für Informationstechnologie im Krankenhaus.

Von Anno Fricke

Kollege Computer sorgt in der Klinik für Unmut und Hoffnung

BERLIN. Mehr Digitalisierung kann zumindest teilweise einen Zuwachs an medizinischer Qualität der ärztlichen Arbeit bedeuten. Davon zeigt sich eine Mehrheit der Krankenhausärzte überzeugt. Das geht aus den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage unter 1800 angestellten Ärzten hervor, die der Marburger Bund am Donnerstag vorgestellt hat. Demnach zeigen sich 80 Prozent von einer durch die Digitalisierung ausgelösten Verbesserung der ärztlichen Arbeit im Krankenhaus überzeugt. Ebenfalls vier Fünftel der Befragten sieht zumindest teilweise eine Verbesserung der medizinischen Qualität heraufziehen.

Die Erwartungshaltung kontrastiert heftig mit der digitalen Wirklichkeit in den Krankenhäusern. 92 Prozent der Befragten hat die Frage, ob ärztliche Anforderungen an Hard- und Software umfassend berücksichtigt werden zumindest teilweise verneint. Auch benutzerfreundlich scheint die Klinik-IT nicht zu sein. Gerade elf Prozent kamen zu diesem Urteil. Bei der technischen Unterstützung scheint ebenfalls etwas im Argen zu liegen. Drei Viertel (74 Prozent) fühlen sich zumindest teilweise von ihrer Klinik alleine gelassen, wenn sie IT-Probleme an ihrem Arbeitsplatz haben. Schulungen sind wohl ebenfalls ein Manko. 62 Prozent der Befragten kennen keine regelmäßigen Schulungen für IT-gestützte Arbeitsabläufe, weitere 27 Prozent nur teilweise. "Was nutzen den Ärzten die besten Programme, wenn sie sie nicht anwenden können?", fragte Dr. Peter Bobbert, Vorstandsmitglied des MB.

Viele befragte Ärzte machten ihrem Ärger Luft, dass Digitalisierung in den Klinikleitungen häufig nur zur Befriedigung von Kontrollzwängen eingesetzt werde. Ärzte müssen oft Daten sowohl digital als auch auf Papier vorhalten – aus Sicherheitsgründen.

"Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Digitalisierung im Krankenhaus vielfach noch in den Kinderschuhen steckt", sagte Bobbert. Um die IT-Strukturen der Krankenhäuser zukunftsfest zu machen, fordert der MB nun ein staatliches Sonderprogramm von zehn Milliarden Euro. "Wir wollen eine sinnvolle Digitalisierung", sagte Bobbert.

Im kommenden Jahr will der Marburger Bund eine Digitalisierungs-Checkliste aufsetzen. So solle sichergestellt werden, dass der Auf- und Ausbau digitaler Strukturen nach den Bedürfnissen von Ärzten, Pflegepersonal und Patienten ausgerichtet werde. Die digitale Revolution im Gesundheitswesen werde auch die Medizinerausbildung umwälzen, sagte Bobbert.

Dass im Gesundheitswesen nach wie vor Insellösungen vorherrschen, sehen die Verantwortlichen des Marburger Bundes mit Sorge. Schnittstellen auch zu den Praxissystemen der niedergelassenen Ärzten seien daher unabdingbar, erklärte Bobbert.

Der Ort, über gemeinsame Lösungen zu verhandeln, sei zunächst der Deutsche Ärztetag bekräftigte der Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes Armin Ehl. Das sei aber nicht genug. Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten in dieser Frage müsse auch auf anderer Ebene institutionalisiert werden. Blaupause könne die Zusammenarbeit bei der Integration von ambulanter und stationärer Notfallversorgung sein, sagte Ehl.

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