Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

DRG

Was bedeuten sie?

DRG steht für Diagnosis Related Groups, diagnosebezogene Fallpauschalen. Es handelt sich um ein ursprünglich in Australien entwickeltes Abrechnungssystem für Leistungen, die in Kliniken erbracht werden. Basis des Systems ist die Klassifikation medizinischer Leistungen. Die stationären Behandlungsfälle werden mit pauschalierten Preisen vergütet, die von den jeweiligen Diagnosen abhängen. Dabei werden verwandte und vergleichbare Diagnosen zu einer Pauschale zusammengefasst. Bei Erkrankungen, für die normalerweise wenig medizinischer Aufwand nötig ist, erhält ein Krankenhaus weniger Geld als für eine Erkrankung, die schwerer ist und mehr personellen und technischen Aufwand sowie längere Liegezeiten erfordert. Die Entwicklung und Pflege des G-DRG-Systems (German-Diagnosis Related Groups-System) ist Aufgabe des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus.

Wo steht es im Gesetz?

Die Basis für die Vergütung der Krankenhausleistungen ist Paragraf 17b des Krankenhausfinanzierungsgesetzes.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Das Gesetz zur Einführung der Fallpauschalen wurde am 23. April 2002 verabschiedet. Seit Anfang 2004 ist die Abrechnung nach dem DRG-System für die Kliniken verpflichtend. Bis Anfang 2009 läuft die so genannte Konvergenzphase. Das heißt: Der krankenhausindividuelle Fallwert - also die durchschnittlichen gewichteten Fallkosten aller stationären Fälle in einer Klinik - wird schrittweise angeglichen an den Landesbasisfallwert. Dieser Wert bezeichnet den durchschnittlichen Erlös aller stationären Fälle in einem Bundesland. Ab 2009 gibt es innerhalb eines Bundeslandes für die Krankenhausleistungen einheitliche Preise. Der Landesbasisfallwert wird zwischen den Krankenkassen und den Landeskrankenhausgesellschaften vereinbart. In Zukunft könnte es bundeseinheitliche Preise geben.

Wie weit ist der DRG-Katalog?

Die Gestaltung des Katalogs ist weitgehend abgeschlossen. Es geht jetzt vor allem noch um die Definition von Pauschalen für seltene, hoch spezialisierte Leistungen. Ende 2007 enthielt der Katalog insgesamt 1137 DRG. Allerdings kommen mehr als 90 Prozent der Kliniken mit weniger als 700 DRG zurecht. Was sich noch verändert, ist die Vergütung für die einzelnen Pauschalen.

Was sind die Ziele?

DRG sollen stationär erbrachte Leistungen transparenter und die Vergütung einheitlicher machen, als es früher bei den krankenhaus-individuellen Tagespflegesätzen der Fall war. Von der besseren Vergleichbarkeit erhofft man sich einen stärkeren Wettbewerb zwischen den Kliniken. Die DRG sollen auch zu einer Verkürzung der Verweildauern und damit zu einer Kostenreduktion führen. Ob diese Ziele erreicht werden, soll die wissenschaftliche Begleitforschung klären, genauso wie die Frage, wie sich die Umstellung auf das neue Abrechnungssystem auf die Versorgung auswirkt. Diese Forschung auf den Weg bringen müssen die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die gesetzlichen Krankenkassen und die privaten Krankenversicherer. Trotz Mahnungen des Gesundheitsministeriums liegen bislang noch keine Ergebnisse vor. Die Organisationen der Krankenhäuser halten das DRG-System inzwischen für bewährt, zumal es jährliche Anpassungen gibt und Innovationen regelmäßig berücksichtigt werden.

Wie sind Haus- und Fachärzte betroffen?

Für den bei der Einführung der DRG von manchen beschworenen Trend zur so genannten blutigen Entlassung gibt es keine Belege. Dennoch häufen sich die Berichte von niedergelassenen Ärzten, dass sie vermehrt Patienten in ihren Praxen sehen, die frühzeitig aus dem Krankenhaus entlassen wurden und einen größeren Behandlungsbedarf haben als früher bei vergleichbaren Fällen. Leistungen und auch Arzneimitteltherapie werden stärker in die ambulante Medizin verlagert. Die niedergelassenen Ärzte fordern deshalb, dass der Verschiebung im Leistungsgeschehen eine Verschiebung bei der Honorierung folgen muss.

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