Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Elektronisches Rezept

Was bedeutet es?

Das elektronische Rezept soll das bisher übliche Kassenrezept auf Papier ablösen. Dafür wird wie bisher mit Hilfe der Arzneimitteldatenbank in der Praxis-EDV das Medikament für den Patienten herausgesucht und in das Rezept übernommen. Das wird dann aber nicht mehr ausgedruckt. Die Daten werden entweder online auf einen regionalen Großrechner übertragen oder auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert. Der Apotheker kann das Rezept in der Apotheke abrufen und das Medikament ausgeben. Auch an Versandapotheken kann das Rezept geschickt werden.

Wo steht es im Gesetz?

Sozialgesetzbuch V, Paragraf 291a, Absatz 2: "Die elektronische Gesundheitskarte (...) muss geeignet sein, Angaben aufzunehmen für die Übermittlung ärztlicher Verordnungen in elektronischer (...) Form."

Wie sind Ärzte betroffen?

Das E-Rezept wird die am häufigsten genutzte Anwendung der E-Card sein - 700 Millionen Rezepte auf Papier werden jährlich ausgestellt. Es wird die Arbeitsabläufe massiv verändern. Gerade bei älteren Patienten wird es hohen Erklärungsbedarf geben. Wenn die Technik für das E-Rezept die Praxisabläufe zu sehr bremst, könnte es in Arztpraxen zu Verzögerungen kommen.

Wann wird es eingeführt?

Das Gesetz sah eine Einführung schon zum 1. Januar 2006 vor. Mit der E-Card hat sich aber jetzt auch das E-Rezept um mehrere Jahre verzögert. Das E-Rezept hat in den Tests der Modellregionen zunächst tatsächlich einiges an zusätzlicher Arbeit gemacht. Unter anderem das hat letztlich dazu geführt, dass die neue Karte zunächst ohne die Online-Funktionen, zu denen auch das E-Rezept gehört, eingeführt wird - voraussichtlich von Oktober 2009 an. Die Online-Funktionen werden derweil noch weiter in Feldtests getestet.

Welche Vorteile hat es?

Die Verwaltungskosten für die Kassen sinken deutlich, weil die fehlerträchtige Erfassung auf Papier vermieden wird. Das Rezept wird in Zukunft beim Arzt einmal elektronisch erfasst und bleibt dann bis zur Abrechnung in demselben Format.

Welche Nachteile hat es?

Ärzte müssen in eine moderne EDV investieren, die Refinanzierung dieser Investitionen ist noch unklar - ob sie damit für Ärzte nachteilig ist, bleibt abzuwarten. Die Änderung der Arbeitsabläufe durch das E-Rezept könnte für Ärzte am Ende erhebliche Mehrarbeit bedeuten. Es gibt aber Bestrebungen, dass die E-Signatur unters Rezept für Ärzte komfortabler gestaltet wird als ursprünglich geplant (PIN-Eingabe für jedes Medikament). So könnte die Signatur über einen Funkchip oder per Bioscan des Fingerabdrucks nun doch relativ schnell erledigt sein.

Wo gibt´s mehr Infos?

Zum E-Rezept im Internet: www.die-gesundheitskarte.de, www.gematik.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »