Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Festbetrag

Was sind Festbeträge?

Die 1989 eingeführten Festbeträge für Arzneimittel sind Erstattungshöchstgrenzen; sie definieren die Leistungspflicht der Krankenkassen und den Leistungsanspruch der Versicherten. Die jährlichen Einsparungen der Krankenkassen sind fast kontinuierlich gestiegen und erreichten 2007 voraussichtlich 3,6 Milliarden Euro. In den vergangenen 19 Jahren wurden damit weit über 30 Milliarden Euro gespart.

Wo steht es im Gesetz?

Geregelt sind Festbeträge in Paragraf 35 SGB V. Ermittelt werden sie in einem zweistufigen Verfahren. Der Bundesausschuss legt die Festbetragsgruppen fest, und zwar für Arzneimittel mit

  • denselben Wirkstoffen (Stufe 1),
  • pharmakologisch-therapeutisch vergleichbaren Wirkstoffen, insbesondere mit chemisch verwandten Wirkstoffen (Stufe 2),
  • therapeutisch vergleichbarer Wirkung, insbesondere Arzneimittelkombinationen (Stufe 3).

Seit 2004 können auch wieder patentgeschützte Arzneimittel in Festbetragsgruppen aufgenommen werden; ausgenommen sind jedoch patentgeschützte Wirkstoffe, die eine therapeutische Verbesserung bedeuten. Im zweiten Schritt legen die Krankenkassen die Höhe der Festbeträge fest. Seit dem AVWG gilt: Festbetrag ist das obere Ende des unteren Drittels vom Intervall zwischen höchstem und niedrigstem Marktpreis.

Wie sind Ärzte betroffen?

Im Unterschied zur Startphase gilt heute: nicht jedes Arzneimittel mit einem Festbetrag ist automatisch schon ein wirtschaftliches Arzneimittel. Die neue Entwicklung hat gezeigt, dass das Festbetragssystem den Markt nur unzulänglich nachahmen kann.

Deshalb gibt es innerhalb des Festbetragsmarktes weitere Instrumente, die für Ärzte und Patienten wichtig sind: Zuzahlungsbefreiungen können die Krankenkassen dann gemeinsam beschließen, wenn die Preise von Arzneimitteln so weit unter dem Festbetrag liegen, dass der Verzicht auf die Zuzahlung für die Krankenkassen nicht mehr zu einem Verlust führt. Inzwischen gibt es über 10 000 Arzneimittel ohne Zuzahlung. Ferner haben im jetzt ablaufenden Jahr Rabatte erstmals eine relevante Bedeutung bekommen.

Es gibt aber auch eine gegenläufige Entwicklung: Die Tendenz der Krankenkassen, die Festbeträge immer tiefer anzusetzen, führt dazu, dass vermehrt auch bedeutende Arzneimittel nicht mehr zum Festbetrag verfügbar sind. Die Patienten müssen dann eine Aufzahlung leisten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »