Ärzte Zeitung online, 09.09.2009

Prävention

Was bedeutet sie?

Als Prävention bezeichnet man vorbeugende Maßnahmen, die geeignet sind, den Eintritt einer Krankheit zu verhindern oder zu verzögern oder die Krankheitsfolgen abzuschwächen.

Unterschieden wird dabei zwischen der Primärprävention (Maßnahmen des Risikoschutzes bei Gesunden), der Sekundärprävention (Vorsorgemaßnahmen um Krankheiten frühzeitig diagnostizieren und Patienten therapieren zu können) und der Tertiärprävention (Maßnahmen um nach Krankheiten Rückfälle und Folgeschäden zu verhindern oder abzumildern). Bei der Prävention gibt es zwei Ansätze: die Verhaltensprävention und Verhältnisprävention.

Wo steht es im Gesetz?

Die "Leistungen zur Verhütung von Krankheiten, betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren, Förderung der Selbsthilfe" sind in den Paragrafen 20 bis 24 b SGB V geregelt.

Welchen politischen Stellenwert hat Prävention?

Das Bundesgesundheitsministerium sieht in der Stärkung der Prävention einen der Schwerpunkte seiner Arbeit und bezeichnet die Prävention als die zentrale Investition in die Zukunft. Die Prävention soll als vierte Säule neben Akutversorgung, Rehabilitation und Pflege fest im Gesundheitssystem etabliert werden.

Die rot-grüne Bundesregierung wollte bereits im Jahr 2005 ein Präventionsgesetz auf den Weg bringen, scheiterte damit aber im Sommer 2005 im Bundesrat. Das Projekt wurde durch die Neuwahlen dann auf Eis gelegt. Das Präventionsgesetz stand auch bei der großen Koalition auf der Agenda, ein im November vorgelegtes Gesetz scheiterte erneut vor allem am Widerstand der Bundesländer und ihren Vorstellungen über die Finanzierung.

Das faktische Verhalten der verschiedenen Politikebenen in Bund, Ländern und Kommunen ignoriert eine bedrohliche Entwicklung des Gesundheitsstatus von sozial und ökonomisch benachteiligten Menschen. in hohem Maße betroffen sind vor allem Kinder, bei denen sich familiäre und soziale Risiken kumulieren: Armut, Arbeitslosigkeit der Eltern, Bildungs- und Ausbildungsdefizite.

Nach dem Kinder- und Jugend-Gesundheits-Survey des Robert-Koch-Instituts sind zwischen zehn und 20 Prozent der Kinder in ihrer Gesundheit und Lernfähigkeit so ernsthaft gefährdet, dass sie wahrscheinlich nie einen Beruf erlernen können.

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[04.01.2018, 20:30:08]
Dr. Fritz Gorzny 
Häufig sind ererbte visuelle Defizite Ursache des Schulversagens
Wie in fast allen Arbeiten zum Thema Schulleistungsstörungen, Schulversagen und Schulverweigerung werden die Gründe hierfür im intellktuellen , psychischen oder sozialen Bereich vermutet und die therapeutischen Maßnahmen entsprechend angesetzt z.B medikamentös mit Methylphenidat ( Ritalin), lerntherapeutisch durch Nachhilfe und spezielle Lernprogramme oder neurophysiologisch durch Kinderpsychologen. Ein sehr wesentlicher Zusammenhang wird stets ausgeklammert, nämlich die Störungen im visuellen System im Sinne von nicht korrigierten Fehlsichtigkeiten und/oder Pathophorien (assoziierte Hetrophorien/vulgo "Winkelfehlsichtigkeiten").Seit 25 Jahrn befasse ich mich augenärztlich intensiv mit Kindern, die schwerste schulische Probleme wie Legasthenie und Konzentrationsstörung (AD(H)S) aufweisen,die zu Schulversagen bis zur völligen Demotivation, Leistungsabfall mit Abschiebung in Förderschulen für leistungsschwache- oder verhaltensgestörte Kinder oder Schulverweigerung mit suizidalen Tendenzen führen. Eine Refraktionbestimmung unter Cycloplegie und eine Analyse des Binokularsehens unter erhaltener Fusion am Polatest nach der Mess-und Korrektionsmethodik nach H.J.Haase (MKH)ergab in der Regel eine latente unkorrigierte Weit/Stabsichtigkeit und eine unkorrigierte assoziierte Heterophorie, nach deren Ausgleich sich spontan nach Rückbildung der Wahrnehmungsstörung eine Verbesserung des Verhaltens und der Schulproblematik einstellte. Vor allem die Verweigerung von Lese-Schreibarbeiten hörte auf ,die KInder wurden ruhiger und konzentrierten sich wesentlich länger und besser. Damit wurde zugleich das Grundproblem der Schulverweigerung mit seinen Auswirkungen auf das ganze weitere Leben behoben.
Da die visuellen Störungen vererbt werden können, waren ja auch die Eltern 0der zumindest ein Elternteil von der Problematik betroffen und infolge schlechter Schulleistung - da unbehandelt- durch mangelnde berufliche Qualifikation im sozialen Unterfeld gelandet. Ein Circulus vitiosus.
Darum sollte unbedingt im Verdachtsfalle nach o.g. visuellen Problemen besonders einer "Winkelfehlsichtigkeit" gefahndet werden und eine brillenoptische Korrektion ggf. mit Prismengläsern durchgeführt werden. Ein einfacher Sehtest mit dem Ergebnis "Adlerauge" und eine eine einfache Untersuchng des Binokularsehen mit bildtrennenden Verfahren auf eine dissoziierte Heterophorie genügen nicht. Leider werden diese Zusammenhänge von der Schulmedizin so noch nicht gesehen, sodaß es schwierig werden kann geignete Ansprechpartner undter Augenärzten zu finden. Meisten müssen mit der Methode vertraute Optometristen dann in die Bresche springen. Das führte in der Vergangenheit zwar immer wieder zu berufspolitischen Querelen, war für die betroffenen Schülern aber ein Segen.
Die verursachenden Sehstörungen führen stets schon im Kindergartenalter zu Auffälligkeiten mit Störungen der Grob-und Feinmotorik, mit motorischer Unruhe, Ungeschicklichkeit beim Malen und Ausschneiden, Klagen über Leib- und Kopfschmerzen, in den ersten Schulklassen dann zu schlechtem Schriftbild mit Buchstaben -und Zahlendrehern, Verrutschen der Zeilen und vor allen Verweigern des Lesens ( LRS/Legasthenie / Dyskalkulie). Das bedeutet, daß bei derartigen Auffäligkeiten frühzeitig eine sorgfältige Analyse der Sehschärfe und des Binokularsehens möglichst nach der MKH am Polatest durchgeführt werden sollte mit guten Chancen auf Heilunng.
Dr. Fritz Gorzny , Augenarzt, Vizepräsident der Internationale Vereinigung für Binokulares Sehen (IVBS)  zum Beitrag »

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