Ärzte Zeitung App, 28.08.2014

Schleswig-Holstein

Immer mehr Praxen mit angestellten Ärzten

In Schleswig-Holstein sagen immer mehr junge Ärzte ja zur Anstellung - und nein zur eigenen Praxis. Das zeigt eine Statistik der Ärztekammer.

Immer mehr Praxen mit angestellten Ärzten

Angestellt bei einem niedergelassenen Arzt: eine Option für viele junge Ärztinnen und Ärzte.

© Mozjes/fotolia.com

BAD SEGEBERG. Ärztemangel, unattraktive Rahmenbedingungen, Flucht in arztfremde Tätigkeiten - unter diesen Schlagworten wurde in den vergangenen Jahren viel über die Probleme diskutiert, Ärzte für die Versorgung zu gewinnen. Die aktuellen Arztzahlen aus Schleswig-Holstein zeigen eine andere Entwicklung.

Mehrere Daten aus der Statistik der Ärztekammer Schleswig-Holstein deuten auf einen zunehmenden Andrang in den Arztberuf. Dafür spricht nicht nur, dass es zum 31. Dezember 2013 erstmals mehr als 16.000 Ärzte zwischen Nord- und Ostsee gab. Ein weiteres Indiz ist die abnehmende Zahl an Ärzten, die nicht in ihrem ursprünglichen Beruf arbeiten.

Am stärksten zeigt sich der Trend aber in der ambulanten Versorgung. Dort stieg innerhalb eines Jahres die Zahl der Ärzte, die als Angestellte in einer Praxis arbeiten, um 17 Prozent auf 952 an.

Zugleich blieb die Zahl der Ärzte in eigener Praxis unverändert. So wuchs unter dem Strich die Zahl der in der ambulanten Versorgung tätigen Ärzte in Schleswig-Holstein auf 5196 in 4244 Praxen.

Berufsbild hat sich verändert

Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann geht aufgrund der Zahlen davon aus, "dass die Versorgung der Menschen durch niedergelassenen Haus- und Fachärzte auch in Zukunft sichergestellt werden kann, wenn auch in anderer Organisationsform als jahrelang gewohnt".

Er verweist zugleich darauf, dass sich das Berufsbild des Arztes verändert hat. "Nur noch wenige streben in das wirtschaftliche Risiko der eigenen Praxis. Wohl aber wollen viele Ärztinnen und Ärzte gerne vor Ort für Patienten da sein", sagte Bartmann.

Er sieht in der Entwicklung eine "zeitgemäße Veränderung der Lebensweise". Nach seiner Beobachtung wollen junge Ärzte neben dem Beruf auch Zeit für Familie und andere Bereiche ihres Lebens haben - verzichten deshalb aber nicht auf den Arztberuf: "Darum suchen, anders als früher, viele von ihnen ein angestelltes Dienstverhältnis mit geregelten Arbeitsbedingungen und begrenzten Dienstzeiten."

Zugenommen hat im Norden auch die Zahl der Ärzte im stationären Bereich. Dies waren 186 mehr als ein Jahr zuvor. Mit insgesamt 5942 und 37 Prozent stellen sie nach wie vor die größte Gruppe. Bei der Geschlechterverteilung holen die Frauen weiter auf: Zum Jahreswechsel gab es 8908 männliche (plus 0,5 Prozent) und 7154 weibliche Ärzte (plus drei Prozent) in Schleswig-Holstein.

KV sieht Entwicklung positiv

Die KV begrüßte auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" die steigende Zahl an angestellten Ärzten in Praxen. Sie sieht darin einen "sanften Einstieg" in die ambulante Versorgung, aus dem sich bei vielen jungen Ärzten später eine Praxisübernahme entwickeln könne.

KV-Sprecher Marco Dethlefsen gab zu bedenken, dass Praxisinhaber in aller Regel mehr arbeiten als angestellte Ärzte. Ob durch mehr Angestellte unter dem Strich mehr Versorgungszeit entstehe, sei aufgrund der vorliegenden Zahlen nicht zu beantworten.

Fest stehe dagegen, dass in den kommenden Jahren viele Praxisinhaber aufhören werden. "Ob die angestellten Ärzte diese Lücke schließen können, wissen wir nicht", stelle Dethlefsen klar.

Auch der Ersatzkassenverband spricht von einer "erfreulichen Entwicklung", die nach Auffassung von vdek-Leiter Armin Tank bestätigt: "Es gibt keinen generellen Ärztemangel".

Er warnt aber auch vor Euphorie, weil er eine ungleiche regionale Verteilung der Ärzte befürchtet: "Man muss beobachten, wo die zusätzlichen Ärzte tätig sind." (di)

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