Ärzte Zeitung, 21.05.2008

KOMMENTAR

Wahlkampfthema Rationierung

Von Wolfgang van den Bergh

Mit Standing Ovations haben die Gäste des 111. Deutschen Ärztetages gestern die Eröffnungsrede des Präsidenten der Bundesärztekammer in Ulm quittiert. Und zu Recht: Es war eine brillante, über weite Teile frei vorgetragene Rede, in der Professor Jörg-Dietrich Hoppe die Reformpolitik der vergangenen 20 Jahre analysierte - eine restriktive Budgetpolitik, die dazu geführt habe, dass das Patienten-Arzt-Verhältnis in den letzten Jahren immer mehr gestört wurde.

Er begründete detailliert seine in den vergangenen Tagen immer wieder vorgetragene These von der Rationierung in der Medizin. Nicht alles, was medizinisch machbar und möglich ist, werde auch in Zukunft von der Solidargemeinschaft zu schultern sein. Und weil das so ist, ist die von Hoppe geforderte öffentliche Debatte darüber längst überfällig.

Auch wenn eine solche Debatte von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt unterstützt wird, hat die große Koalition häufig genug dazu beigetragen, den Versicherten glauben zu machen, dass der medizinische Fortschritt grundsätzlich allen zur Verfügung steht. Die Realität sieht nach Ansicht Hoppe anders aus. Aus der jetzt vielleicht noch stillen Rationierung kann sehr schnell eine offene Rationierung werden.

Die öffentliche Diskussion wird zeigen, was Versicherte und Patienten bereit sind, für ihre Gesundheit auszugeben. Pikant dabei wird sein, dass eine solche Diskussion vermutlich zu einem brisanten Wahlkampfthema werden kann.

Das Wichtigste und Interessanteste vom 111. Deutschen Ärztetag in Ulm »

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