Ärzte Zeitung online, 22.05.2008
 

Ärzte sehen E-Card weiterhin kritisch

Gegner und Befürworter der Elektronischen Gesundheitskarte liefern sich beim Ärztetag eine engagierte Debatte

ULM (sto). Mit großer Mehrheit hat der 111. Deutsche Ärztetag nach ausgiebiger Diskussion am späten Donnerstagnachmittag Positionen der Bundesärztekammer zum Einsatz von Telematik im Gesundheitswesen beschlossen.

 Ärzte sehen E-Card weiterhin kritisch

Gegner und Befürworter der Elektronischen Gesundheitskarte liefern sich beim Ärztetag eine engagierte Debatte.

Foto: sbra

Darin wird der Aufbau einer bundesweiten Telematikinfrastruktur mit der Pflicht zur Online-Anbindung und der Speicherung von Krankheitsdaten auf zentralen Servern abgelehnt. Zugleich verlangten die Delegierten eine Neukonzeption des gesamten Projektes.

Der Entscheidung war eine mit großem Engagement geführte Debatte vorangegangen, in der Gegner und Befürworter der Elektronischen Gesundheitskarte ihre Argumente austauschten.

Die vor einem Jahr beim Ärztetag in Münster vorgebrachten Argumente gegen die Einführung der E-Card gelten uneingeschränkt weiter, erklärten gestern die Kritiker des Projektes. Diese Argumente seien durch zwischenzeitlich aufgetretene Pannen und Fehlschläge erhärtet und bestätigt worden.

Zuvor hatte sich Dr. Franz-Joseph Bartmann als Vorsitzender des Ausschusses "Telematik" für eine konstruktive und kritische Begleitung der E-Card durch die Ärzteschaft ausgesprochen, um die Chancen für die Etablierung einer sicheren Kommunikation im Gesundheitswesen zu nutzen. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass allein diejenigen die Richtung vorgeben, die die Technisierung und Industrialisierung der Medizin anstreben.

Angesichts der Erfahrungen aus den Testphasen der E-Card hat die Bundesärztekammer "Prüfsteine" formuliert, von denen die weitere Mitwirkung in der gematik und an den Tests in den Regionen abhängen soll.

Am Mittwoch hatten die 250 Delegierten nach intensiven Diskussionen das "Ulmer Papier" verabschiedet, mit dem die Bundesärztekammer in die gesundheitspolitischen Diskussionen über die Neuausrichtung des Gesundheitswesens gehen will. Notwendige medizinische Versorgung könne nicht mehr allen Patienten zur Verfügung gestellt werden, heißt es darin. "Rationierung findet statt".

Lesen Sie dazu auch:
"Telematik-Projekt benötigt neues Konzept!"

Das Wichtigste und Interessanteste vom 111. Deutschen Ärztetag in Ulm »

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