Ärzte Zeitung, 29.06.2012

Beschneidungsverbot: Ärzte sehen Gefahr für Jungen

Gibt es bald wieder religiös motivierte Beschneidungen in Kellerräumen und Garagen? Durchgeführt von medizinischen Laien? Die Gefahr besteht, warnen Mediziner.

KÖLN (akr). Die Kritik am Urteil des Landgerichts Köln zum Verbot religiös motivierter Beschneidungen von Jungen reißt nicht ab. Ärzte fürchten, dass künftig wieder mehr Zirkumzisionen von medizinischen Laien unsachgemäß ausgeführt werden.

Allerdings gibt es auch erste befürwortende Stimmen. Die internationale Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes stimmt der Entscheidung der Richter zu.

"Wir begrüßen dieses Urteil", sagt die Vorsitzende Irmingard Schewe-Gerigk. "Es zeigt deutlich, dass die körperliche Unversehrtheit von Kindern nicht mit religiösen Argumenten verletzt werden darf."

Ärzte sehen aber die Gefahr, dass gerade durch das Urteil die Gesundheit der Jungen gefährdet wird. "Eltern werden sich nicht abhalten lassen, Jungen beschneiden zu lassen", sagt der Kölner Allgemeinmediziner Dr. Kenan Demir.

Er fürchtet, dass sie dabei unprofessionelle Hilfen in Anspruch nehmen. Diese Sorge hat auch der Kölner Kinderchirurg Dr. Hikmet Ulus. In seiner Praxis steht das Telefon nicht mehr still.

"Durch das Urteil haben wir eine Rückentwicklung"

In Nordrhein-Westfalen beginnen bald die Sommerferien. Viele Eltern haben für diese Zeit Termine für eine religiös motivierte Zirkumzision vereinbart - die der Kinderchirurg jetzt alle absagt.

"Türkische Ärzte haben jahrelang darum gekämpft, dass Beschneidungen aus religiösen Gründen von Medizinern vorgenommen werden", sagt Ulus.

Früher hätten die Eingriffe in Kellerräumen oder Garagen stattgefunden und für Jungen schlimme Folgen wie behandlungsbedürftige Vernarbungen zur Folge gehabt. "Durch das Urteil haben wir eine Rückentwicklung", sagt er.

Topics
Schlagworte
Beschneidung (62)
Recht (12500)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

736 Notfallzentren reichen zur Notfallversorgung

Wie viele Notfallenzentren sind nötig und wo sollten sie betrieben werden, um die Bevölkerung gut zu versorgen? Ein Gutachten im Auftrag der KBV hat das jetzt analysiert. mehr »

Keuchhusten - längst keine Kinderkrankheit mehr

An Pertussis erkranken in Deutschland vor allem Erwachsene. Sie stellen eine Gefahr für Säuglinge dar. Wir zeigen, wie viele Erkrankte es seit 2001 gab und wie alt sie waren. mehr »

So lässt sich Glutensensitivität erkennen

Immer mehr Menschen vermuten, dass sie Gluten nicht vertragen. Ein Experte gibt Tipps, wie sich in der Praxis klären lässt, ob tatsächlich eine Glutensensitivität vorliegt. mehr »