Ärzte Zeitung, 22.04.2013

Hausarztverträge

Weigeldt pocht auf Vertragspflicht

Nieder mit dem unseligen Absatz 5 im Paragrafen 73b, keine Abkehr von der HZV-Vertragspflicht: Fünf Monate vor den Bundestagswahlen redet der Hausärzteverband den Parteien ins Gewissen.

Von Wolfgang van den Bergh

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Die HZV vom Absatz 5 befreien: Hausärzteverbands-Chef Ulrich Weigeldt.

© Deutscher Hausärzteverband

WOLFSBURG. Der Deutsche Hausärzteverband hat bei seiner Frühjahrstagung in Wolfsburg die Parteien aufgefordert, die hausarztzentrierte Versorgung stärker zu unterstützen.

In seinem Bericht zur Lage verlangte Verbandschef Ulrich Weigeldt, Paragraf 73b (SGB V) wieder "von dem unseligen Absatz 5 zu befreien". Ihn freue ausdrücklich, dass die SPD bereit sei, den Paragrafen in seine ursprüngliche Fassung wieder zurückführen.

Kritik übte Weigeldt allerdings an den Grünen, die zwar auch für eine Rückführung seien, allerdings im gleichen Atemzug die Verpflichtung der Kassen zum Abschluss solcher Verträge fallen lassen wollten. Eine nahezu identische Auffassung höre man von der FDP, so Weigeldt.

Der Hausärzte-Chef kündigte an, die Vertragsaktivitäten insbesondere mit Blick auf den 73c, also Verträgen mit Fachärzten auszuweiten, wobei er ausdrücklich auch den stationären Sektor einbezog.

Dabei schlug Weigeldt die Brücke zur Diskussion um die Mengenentwicklung in Kliniken. Mit einer qualitativ guten Primärversorgung und Verträgen mit Fachärzten in Klinik und Praxis könnten Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen gesteigert werden.

EBM-Evolution ohne Hintertürchen

Mit den Versorgungslandschaften in den Bereichen Diabetes, Rheuma, Pflege und Demenz sei eine "Blaupause" entstanden, wie verschiedene Sektoren miteinander vernetzt werden könnten.

Hart ins Gericht ging Weigeldt mit der Reform des EBM. Er bekräftigte die Forderung nach Trennung und getrennter Weiterentwicklung der Gesamtvergütung "ohne Hintertürchen und Tricks".

So müsse etwa die aus dem hausärztlichen Topf mitfinanzierten Vorwegabzüge zur Stützung von Psychotherapie und O III-Labor zurückgeführt werden. Weigeldt erinnerte an den Honorarbeschluss von 2012, wonach 250 Millionen Euro neu verteilt werden müssen. Dafür brauche es aber keinen neuen EBM.

In diesem Zusammenhang informierte Weigeldt, dass aktuell über eine Anpassung der Honorare im Rahmen der HZV in Baden-Württemberg verhandelt werde. Mit einem Ergebnis sei Anfang Mai zu rechnen.

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