Ärzte Zeitung online, 26.07.2013

Apotheke im Wahlkampf

DocMorris will die Zukunft gestalten

Offizine brauchen in Zukunft mehr Freiheit in der Versorgung, fordert der Marktführer. Und sollten die Möglichkeit erhalten, eigene Verträge mit Kassen zu schließen.

HEERLEN. Die Anerkennung der Apotheken als gleichberechtigte Partner im Gesundheitswesen sowie mehr Wettbewerb und Innovationen auf dem Apothekenmarkt sind zwei zentrale Forderungen der Versandapotheke DocMorris an die Bundespolitik.

In einem nach eigenem Verständnis politischen Manifest mit dem Titel "Die neue Apotheke 2020" formuliert das Unternehmen, das sich bei Versandapotheken als Marktführer in Europa sieht, seine Erwartungen an die Politik der nächsten Bundesregierung.

Um die pharmazeutische Versorgung der Bevölkerung auf Dauer flächendeckend zu sichern, müssen Apotheken laut DocMorris demnach in Zukunft im deutschen Gesundheitssystem eine wesentlich größere Rolle als bisher spielen und mehr Freiraum in der Gesundheitsversorgung erhalten.

So fordert das Unternehmen die gesetzliche Verankerung eines patientenindividuellen Medikationsmanagements als eigenständiges Versorgungsziel in der Gesundheitspolitik und als künftige Kernaufgabe von Apotheken.

Begründet wird dies mit der wachsenden Bedeutung komplexer Arzneimitteltherapien, auf die immer mehr ältere und multimorbide Patienten angewiesen seien.

Der Gesetzgeber, so DocMorris, müsse die Anforderungen an ein qualitätsgesichertes Medikationsmanagement klar definieren, für dessen Durchführung einheitliche Standards festlegen und den damit verbundenen Beratungs- und Betreuungsaufwand der Apotheken angemessen honorieren.

Stärkere Rolle der Offizine in der Versorgung gefordert

Auch in der allgemeinen Gesundheitsversorgung sieht DocMorris mit seinem apothekenfokussierten Ansatz gesetzliche Defizite. Apotheken seien bislang nur unzureichend in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung eingebunden, weil die Hürden für patientenorientierte Versorgungsverträge mit Krankenkassen zu hoch seien.

Dadurch werde das Potenzial der Apotheken als aktive Partner der Kassen nicht ausgeschöpft. Künftig müssten Apotheker die Möglichkeit haben, wie Ärzte und andere Gesundheitsdienstleister versorgungsbezogene Einzelverträge mit Krankenkassen abschließen zu können, fordert die Versandapotheke.

Die jetzige Regelung, dass Apotheken an Verträgen zur Arzneimitteltherapie oder zur sektorenübergreifenden Versorgung nur gemeinschaftlich teilnehmen können, verhindere dagegen einen Wettbewerb um bessere Versorgungskonzepte.

In diesem Zusammenhang wird auch das generelle Verbot der Prämiengewährung bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln kritisiert.

Würden solche Prämien an arzneimittelbezogene Informations- und Mitwirkungspflichten gekoppelt, seien sie wirksame Anreize zur Verbesserung der Patienten-Compliance und erfüllten damit einen positiven gesundheitlichen Zweck, gibt sich DocMorris überzeugt.

Breiten Raum nimmt in dem Manifest die Frage ein, wie sich die organisatorischen Strukturen der Arzneimittelversorgung verändern werden. Speziell im ländlichen Raum rechnen die Autoren, die DocMorris-Vorstände Olaf Heinrich, Christian Franken, Max Müller und Michael Veigel, mit einer ähnlichen Entwicklung wie im ärztlichen Bereich.

Analog zum zunehmenden Arztmangel werde dort auch die Zahl inhabergeführter Präsenzapotheken in Deutschland weiter schrumpfen, lautet die Prognose.

Um in dünn besiedelten Räumen keine Versorgungslücken entstehen zu lassen, seien deshalb neue und unkonventionelle Lösungen erforderlich. Dazu zähle beispielsweise der Einsatz von Apothekenbussen und die Aufstellung von Dispensierautomaten für allgemein gebräuchliche Medikamente.

"Größtes Hindernis für die Einführung solcher kundenfreundlicher Serviceeinrichtungen sind antiquierte standespolitische Vorstellungen, wonach jede Apotheke zwingend eine ortsfeste Abgabestelle für Arzneimittel sein muss, zu der sich die Menschen hinbewegen müssen. Die rasant wachsende Zahl von Arzneimittelbestellungen übers Internet zeigt aber, dass die Entwicklung hier schon viel weiter ist, als manche Standesvertreter es wahrhaben wollen", wettert DocMorris-Chef Heinrich.

Weitere politische Forderungen in dem Zukunftspapier betreffen laut DocMorris die beschleunigte Einführung des elektronischen Rezepts und der elektronischen Patientenakte, ohne die ein effizientes, sektorenübergreifendes Versorgungsmanagement kaum zu leisten sei. (maw)

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