Ärzte Zeitung, 11.09.2013
 

Johannes Singhammer

Wahlziel Chancengleichheit

Wahlkampf ist für den Münchner CSU-Politiker Johannes Singhammer auch mit Reisen in die tiefe bayerische Provinz verbunden - wo immer mehr Menschen der Mangel an Ärzten massiv verunsichert.

Von Christoph Fuhr

Wahlziel Chancengleichheit

Kämpft um Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag: Johannes Singhammer sieht für die kommende Legislatur Reformbedarf bei der PKV.

© imago/Westermann

BISCHOFSHEIM. Eine traumhafte Landschaft mit bodenständigen Menschen, die ihre Heimat lieben und die hohe Lebensqualität fern der großen Ballungsgebiete zu schätzen wissen: Damit wirbt der bayerische Landkreis Rhön-Grabfeld - eine Bilderbuchregion, in der die Welt noch in Ordnung scheint.

Wenn da nicht der gravierende Mangel an Hausärzten wäre, der vor allem ältere Bürger beängstigt.

Eine Gaststätte im Städtchen Bischofsheim am Rande des Landkreises nahe der hessischen Landesgrenze. Die CSU macht Wahlkampf. Thema des Abends: Hausarztversorgung im ländlichen Raum. Johannes Singhammer (60) ist aus der Landeshauptstadt München angereist.

Er ist seit 2009 Stellvertretender Fraktionschef der Union im Bundestag, zuständig für Gesundheit, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Mit ihm sind weitere Kandidaten der CSU gekommen. Am kommenden Wochenende wählen die Bayern ihren Landtag und die Bezirkstage, der Kampf um die Mandate nähert sich seinem Höhepunkt.

Lösungen müssen her - jetzt

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Der Bischofsheimer Hausarzt Dr. Franz Wehming hat für die Besucher Folien mit harten Fakten zur Versorgung vorbereitet.

Von 55 niedergelassenen Hausärzten des Ärztlichen Kreisverbands Bad Neustadt (Rhön-Grabfeld) sind bescheidene acht jünger als 50 Jahre, berichtet er, das 60. Lebensjahr vollendet haben 28 Ärzte, vier davon sind älter als 66.

Wehming präsentiert eine Detailberechnung nach der anderen - und die Botschaft ist immer dieselbe: Es gibt beängstigend viele ältere Ärzte, die bereits den Ruhestand im Visier haben, Nachwuchs ist weit und breit nicht in Sicht.

Lösungen müssen herbei, fordert der Hausarzt, nicht morgen oder übermorgen, sondern jetzt.

"Hausärzte können nicht mit dem Zauberstab geschaffen werden", stellt Wahlkämpfer Singhammer zunächst einmal klar und erläutert die Rezepte der CSU gegen den Mangel.

Förderprogramme zur Niederlassung sollen ausgedehnt und finanziell aufgestockt werden. Die Partei setzt auf hausarztzentrierte Versorgung, fordert ein eigenes Verhandlungsmandat für Hausarztverbände gegenüber den Krankenkassen, will die Abschaffung von Honorarobergrenzen.

Gleiche Lebenschancen sollen die Menschen in allen Teilen Bayerns haben. Das bedeutet aus Sicht von Singhammer, dass Menschen auf dem Land medizinisch genauso gut versorgt werden müssen wie etwa Menschen in der Münchner Innenstadt.

Viele Herausforderungen warten

Singhammer gilt als konservativ. Er ist praktizierender Katholik, bei Besuchen in Indien, dem Sudan, Ägypten und der Türkei hat er immer wieder das Leid von unterdrückten und verfolgten Christen öffentlich in den Fokus gerückt.

Konkurrenten aus anderen Parteien räumen ein, dass er im persönlichen Umgang sympathisch und fair sei. "Man darf ihn nicht verharmlosen, er gehört in die reaktionäre Ecke", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" seinen langjährigen Münchner SPD-Konkurrenten Axel Berg.

Der hat Singhammer als Direktkandidat für den Bundestag mehrmals besiegt und 2009 knapp verloren 2013 schickt die SPD einen anderen Wahlkreis-Kandidaten ins Rennen, der Frust bei Berg sitzt offenbar tief.

In Singhammers Wahlkreis München-Nord mit seiner heterogenen Wählerstruktur geht's um alles. Auf der CSU-Landesliste rangiert er auf Platz sieben.

Schafft er kein Direktmandat, und die CSU - was keinesfalls unrealistisch ist - räumt bei den Erststimmen bayernweit voll ab, dann könnte es für ihn sogar eng werden mit dem Wiedereinzug ins Berliner Parlament.

Dort warten auf den sechsfachen Familienvater viele Herausforderungen. Der PKV zum Beispiel will er richtig Dampf machen und mehr Wettbewerbselemente einführen. Versicherte sollen bei einem Wechsel ihre Rücklagen mitnehmen können.

Und was passiert, wenn es nach der Wahl zu einer großen Koalition kommt? Singhammer lässt keinen Zweifel: "Mit uns wird es keine Bürgerversicherung geben!"

btw2013union

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