Ärzte Zeitung online, 12.11.2013
 

AG Gesundheit

Weniger Arznei-Umstellungen für Patienten

Union und SPD wollen den Austausch von Medikamenten in der Folge von Rabattverträgen erschweren. Außerdem in der AG Gesundheit so gut wie beschlossen: Ohne direkten Arzt-Patienten-Kontakt soll es keine Arznei-Verschreibungen geben.

Von Anno Fricke und Sunna Gieseke

Patienten soll häufige Arznei-Umstellung erspart bleiben

Arzneipolitik steht erneut auf der Tagesordnung der Koalitionsverhandlungen.

© nikesidoroff / fotolia.com

BERLIN. Die Therapietreue liegt den Unterhändlern von Union und SPD am Herzen.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Gesundheit der Koalitionsverhandlungen haben sich darauf geeinigt, Patienten häufige Umstellungen bei Arzneitherapien zu ersparen.

Dies geht aus einer Beschlussvorlage der AG Gesundheit hervor, die der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

Ihr zufolge soll der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) eine Liste von Medikamenten erarbeiten, die im Rahmen von Rabattverträgen nicht ausgetauscht werden dürfen.

Ärzte hatten in der Vergangenheit immer wieder dagegen protestiert, dass Patienten sich häufig auf neue Namen und andere Farben ihrer Medikamente einstellen mussten. Vor allem ältere Patienten habe dies bei der Compliance oft aus dem Tritt gebracht.

Direkter Arzt-Patienten-Kontakt

Aus dem Papier geht ferner hervor, dass sich die künftige Gesundheitspolitik gegen die Verschreibung von Arzneimitteln ohne einen direkten Arzt-Patienten-Kontakt aussprechen will.

"Online-Konsultationen reichen dafür nicht aus, sondern bergen das Risiko von Fehldiagnosen und können so den Patientenschutz gefährden," heißt es darin.

In jüngerer Zeit hatte es eine Debatte um vom britischen Internet-Anbieter "DrEd" ausgestellte Rezepte für die Pille danach (Levonorgestrel) gegeben.

Am Freitag hat sich der Bundesrat dafür ausgesprochen, Levonorgestrel ganz von der Rezeptpflicht zu befreien. Dies ist in den meisten europäischen Ländern schon der Fall.

Mehr- und Fremdbesitzverbot für Apotheken

Ein weiterer Punkt des Papiers berührt das Mehr- und Fremdbesitzverbot für Apotheken. Daran wollen die möglichen Großkoalitionäre festhalten.

Bereits berichtet ist das geplante Ende des Bestandsmarktaufrufs. Patentgeschützte Arzneien, die vor dem Inkrafttreten des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes auf dem Markt waren, sollen nicht mehr vom GBA bewertet werden müssen.

Dafür werden der erhöhte Zwangsrabatt und das Preismoratorium weitergeführt. Der Rabatt soll ab 2014 sieben Prozent betragen.

Mehr zu den Koalitionsverhandlungen in der AG Gesundheit

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