Ärzte Zeitung online, 04.12.2013
 

Schönheits-Op bei Minderjährigen

BÄK befürwortet Verbot

Die Pläne der mutmaßlichen Großen Koalition, medizinisch nicht indizierte Schönheits-Op bei Minderjährigen zu verbieten, ruft die Bundesärztekammer auf den Plan. Die BÄK verweist auf ihre seit Jahren gültige Position - für ein Verbot.

Von Florian Staeck

BERLIN. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat Zustimmung zu einem möglichen Verbot von Schönheitsoperationen bei Minderjährigen ohne medizinische Grundlage signalisiert.

Entsprechende Pläne, die aber nicht in den Koalitionsvertrag eingeflossen sind, sind vom gesundheitspolitischen Sprecher der Union, Jens Spahn, am Montag bestätigt worden.

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper gehe manchmal so weit, dass junge Menschen Schönheitsoperationen "als einzigen Ausweg aus dem Unglücklichsein und als wirksame Befreiung von Komplexen betrachten", heißt es in einer Stellungnahme der BÄK.

Sie fordert, dass ein Verbot von einer "Wertediskussion" flankiert werden müsse.

Die BÄK verwies in diesem Zusammenhang auf die bereits Ende 2004 gegründete "Koalition gegen den Schönheitswahn". Sie geht auf eine Anregung des damaligen BÄK-Präsidenten Professor Jörg-Dietrich Hoppe zurück.

In der Folge sei die Berichterstattung "über die Gefahren von Schönheitsoperationen gerade bei jungen Menschen kritischer geworden", hat die BÄK beobachtet.

Vorstoß ist schon einmal gescheitert

Ein Arbeitsergebnis der Koalition sei eine mit Unterstützung des Lehrerverbandes erstellte DVD "Wa(h)re Schönheit". Dennoch sei das Interesse an Schönheitsoperationen nach wie vor hoch, betont die BÄK.

Nach Angaben der BÄK haben die Ärztekammern im Weiterbildungsrecht seit langem die Grundlagen dafür geschaffen, dass "nur ausreichend qualifizierte Ärzte sogenannte schönheitschirurgische Eingriffe vornehmen dürfen.

Im Jahr 2005 ist die Facharztbezeichnung "Plastische Chirurgie" um den Zusatz "Ästhetische" in der Weiterbildungsordnung ergänzt worden. Dadurch sei deutlicher angezeigt worden, "dass es eine bundesweit einheitliche Facharztqualifikation zur Ausübung plastisch-ästhetischer Operationen gibt."

Bereits im April 2008 hatten sich die BÄK und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss für ein generelles Eingriffsverbot von Schönheitsoperationen bei unter 18-Jährigen ausgesprochen.

In der damaligen Großen Koalition hatten Union und SPD im Frühjahr 2008 die Bundesregierung aufgefordert, ein Verbot von nicht medizinisch indizierten Schönheitsoperationen bei Minderjährigen zu prüfen.

Wegen verfassungsrechtlicher Einwände war das Vorhaben damals ad acta gelegt worden. Auch ein erneuter Vorstoß der Unionsfraktion im Mai 2012 scheiterte - sie wollte ein Verbot in das Patientenrechtegesetz aufnehmen.

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