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Ärzte Zeitung online, 25.09.2017
 

Im Porträt

Reiner Meier (CSU) – Versorgung auf dem Land im Blick

Reiner Meier ist Spezialist für Sozial- und Arbeitnehmerfragen. Über diese Themen fand der CSU-Bundestagsabgeordnete auch zur Gesundheitspolitik. Hier liegen ihm vor allem die wohnortnahe Versorgung und somit auch die Arbeitsbedingungen der niedergelassenen Ärzte am Herzen. Meier kandidiert zum zweiten Mal für den Deutschen Bundestag.

Von Christina Bauer

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Praxis- und Patientenbesuch: Reiner Meier mit den Nephrologen Dr. Johannes Nägel (l.) und Dr. Andreas Reihl.

© Bauer

KEMNATH. Ein Politiker im Wahlkampf darf nicht zimperlich sein. Langes Sitzen auf harten Stühlen ist da für einen Profi keine Herausforderung. "Das bin ich gewohnt", sagt Reiner Meier beim Besuch der Praxis von Dr. Johannes Nägel und Dr. Andreas Reihl im oberpfälzischen Kemnath. Das Angebot, ihm ein bequemeres Sitzmöbel zu besorgen, lehnt er ab. Lieber sucht er gleich das Gespräch mit den beiden Nephrologen.

Die zwei berichten über die Entwicklung ihrer Praxis viel Positives. Sie ist Teil eines Ärztehauses mit Allgemein- und Fachärzten im 5300-Einwohner-Ort Kemnath. Insgesamt ist die Gemeinschaftspraxis an fünf Standorten in der Oberpfalz und in Franken präsent. Meier, selbst auf dem Land aufgewachsen, gefällt, dass die nephrologischen Praxen auch für die Landbevölkerung gut zu erreichen sind.

Dass Meier gelernter Verwaltungswirt ist und bis vor einigen Jahren als Regierungsamtsrat gearbeitet hat, kann man sich gut vorstellen. Ein routinierter, sachlich-interessierter Blick durch die Hornbrille, der 63-jährige hat eine schwarze Aktenmappe vor sich. Er hört gut zu, fragt nach und notiert sich, was wichtig ist.

Seit über vier Jahrzehnten ist er bereits in der CSU. Er hat die Arbeit auf jeder politischen Ebene kennengelernt. Hat sich auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene engagiert. Acht Jahre leitete er Horst Seehofers Büro. Von 2006 bis 2009 das Bundestagsbüro in Berlin, als Seehofer Bundesminister für Verbraucherschutz und Landwirtschaft war. In München dann weitere vier Jahre das Büro des CSU-Parteivorsitzenden. Seit 2013 sitzt er im Bundestag. Dort unter anderem im Gesundheitsausschuss.

Sein Weg dorthin führte über soziale und Arbeitnehmerthemen. Damit befasst er sich schon lang, ist seit 1988 im Vorstand der Europäischen Union Christlich-Demokratischer Arbeitnehmer (EUCDA), seit 2014 Vizepräsident. Seit 1998 ist er stellvertretender Landesvorsitzender der Arbeitnehmer-Union der CSU (CSA). Zudem ist er stellvertretender Vorsitzender Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Gesundheitsthemen sind für ihn nicht von den Arbeitnehmerfragen zu trennen, hier bestehe ein enger Zusammenhang. Den Berliner Politikbetrieb nennt er interessant, aber er kehre immer gern am Ende der Woche in seinen Wahlkreis Weiden zurück, erzählt er. "Da hilft es, dass ich ein Morgenmensch bin", sagt Meier.

Beim Praxisbesuch kommt das Thema auch auf Großunternehmen, die sich inzwischen an Dialyse-Praxisketten beteiligen. Das ist in der Versorgungslandschaft durchaus ein Thema, bestätigen Reihl und Hägel. Sie und ihre zwei Kollegen betreiben in der Region fünf Standorte, die meisten so klein wie der in Kemnath. Das spart vielen der pro Quartal etwa 1300 Patienten weite Wege.

Eine Dialyse beginnen die Ärzte erst, wenn es keinen anderen Weg mehr gibt. Sie sehen die Gefahr, das große Praxisketten anders entscheiden. Die Dialyse sei für Praxen finanziell attraktiv, aber für die Patienten eine große Belastung. Die Ärzte berichten von Dialyse-Prämien oder Quotenvorgaben.

Hier wird Meier hellhörig und greift den Aspekt auf. Konzernstrukturen in der ambulanten Versorgung – die lehnt er ab. "Patienten sind bei ihren Ärzten vor Ort am besten aufgehoben", ist er überzeugt. Er lobt die Arbeit der Nephrologen und ihres Teams und bei dieser Gelegenheit auch gleich noch die Niederlassungsförderung von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml. Selbst Ärztin und im CSU-regierten Bayern natürlich Parteifreundin.

Auch was unter Mitarbeit seiner Partei in der vergangenen Legislaturperiode im Bundestag entstanden ist, sieht er als Erfolg. Etwa das Krankenhausstrukturgesetz und das Pflegestärkungsgesetz. Dass das Versandhandels-Verbot für verschreibungspflichtige Arzneien nicht durchgesetzt wurde, wurmt ihn. Für ihn gehören Apotheken an den Wohnort. "Wir tun alles, um die ländlichen Strukturen zu verbessern", verspricht er.

Hägel ärgert, dass mancher Hausarzt seine Patienten erst spät zum Nephrologen überweist. Er macht eine einfache Rechnung auf: Frühe Nieren-Behandlung, gesündere Patienten, geringere GKV-Kosten, Meier nickt, notiert, bespricht Ideen mit den Ärzten. Ein Urin-Streifentest zur Früherkennung? Eine Aufklärungskampagne? Eine Empfehlung an die Hausärzte? Denn für Meier ist klar: "Der Hausarzt wird immer Dreh- und Angelpunkt sein." Einen besseren Austausch mit Kliniken erhoffen sich die Nephrologen von der elektronischen Gesundheitskarte. Die wird es geben, verspricht Meier. Er habe sich das nach konträren Medienberichten von Gesundheitsminister Gröhe (CDU) bestätigen lassen.

Noch ein Patienten-Besuch, dann bricht Meier auf zum nächsten Termin. Rausgehen, mit den Leuten reden, das ist für ihn Politik. Von Talkshows hält er nichts. Dass für ihn auch jedes Privatgespräch politisch wird, gehört dazu. Möchte er Abstand haben, verreist er mit seiner Frau. Bringt ihn die Landesliste erneut in den Bundestag, wird er weitere vier Jahre zwischen Berlin und der Oberpfalz pendeln. Prognosen gibt er keine ab, aber egal wie die Wahl ausgeht, "einen Plan B habe ich immer", versichert er.

Reiner Meier

» Geboren 1953, verheiratet, ein Kind

» Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege, Diplom-Verwaltungswirt

» Regierungsamtsrat beim Landratsamt Tirschenreuth

» 2006 bis 2013 Büroleiter von Horst Seehofer, bis 2009 in Berlin, dann in der CSU-Parteizentrale in München

» Mitglied des Bundestages seit 2013, Mitglied im Gesundheitsausschuss

Weitere Beiträge zur Serie:
"Bundestagskandidaten im Portrait"

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