Ärzte Zeitung, 01.09.2015

MB appelliert

"Flüchtlinge ehrenamtlich versorgen!"

Mit Blick auf die Situation der Flüchtlinge in der Hauptstadt ruft der Marburger Bund Berlin Brandenburg seine Mitglieder und alle anderen Ärzte in Berlin zu ehrenamtlicher Hilfe auf.

BERLIN. "Die ärztliche Versorgung der neu ankommenden Asylsuchenden ist in dieser Stadt prekär und unhaltbar. Da die staatlichen Institutionen aktuell ihrer Aufgabe nicht nachkommen, muss die Berliner Ärzteschaft handeln, um die größte Not zu lindern", so der Vorsitzende des Landesverbandes Dr. Peter Bobbert: "Jede Ärztin und jeder Arzt, gleich welcher Fachrichtung wird gesucht."

Bobbert beschreibt die Lage der Flüchtlinge vor ihrer Registrierung als dramatisch. Die hygienischen Bedingungen der meist vor der Aufnahmebehörde LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) campierenden Flüchtlinge seien prekär und beispiellos.

Es sei den ehrenamtlichen Helfern vor Ort zu verdanken, dass die humanitäre Notlage der Asylsuchenden nicht noch größer sei.

Das LaGeSo habe die Probleme zwar erkannt, sei aber nicht in der Lage, sie kurzfristig zu lösen, so Bobbert in dem Rundbrief. Das hatte die Ärztekammer Berlin gefordert, ihre Forderung aber auch mit einem Unterstützungsangebot verbunden.

Das LaGeSo hat die Ärztekammer nach Bobberts Angaben daraufhin gebeten, zumindest eine ärztliche Grundversorgung für die um Asyl bittenden Menschen zu gewährleisten.

"Wir haben vereinbart, dass die Organisation dieser ärztlichen Hilfe direkt durch das LaGeSo unternommen wird, um eine effektive Planung sicherzustellen", so Bobbert.

Bis zum vergangenen Donnerstag waren nach Bobberts Angaben genug Ärzte gefunden, um für die nächsten zwei Wochen ständig vier Ärzte vor Ort zu haben.

Sorgen macht sich der MB-Landeschef aber um die Infrastruktur. Medikamente, Räume, Liegen - das alles müsste bereitgestellt werden. Zudem sei ein ärztlicher Koordinator nötig. (ami)

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