Ärzte Zeitung, 16.06.2016
 

München

Medizinstudenten setzen sich für Flüchtlinge ein

Die Medizinstudenten des Vereins migramed e.V. unterstützen in München Flüchtlinge, Ärzte und Sozialarbeiter. Sie vereinbaren Arzttermine, bieten Begleitung zum Arzttermin, erklären Diagnosen und Therapie und kümmern sich auch um Dolmetscher.

Von Christina Bauer

MÜNCHEN. Für Flüchtlinge sind Arztbesuche oft schwierig, Gesundheitslotsen können helfen. Daher gründeten Münchner Medizinstudenten im Wintersemester 2011/12 die Initiative migramed, die seit Mai dieses Jahres nun auch als Verein eingetragen ist.

Claudia Schnupp, derzeit im Physikum, ist seit zwei Jahren dabei. "Die große Praxisnähe hat mich motiviert, die Tatsache, dass Leute konkret etwas tun wollen, um zu helfen", erzählt sie bei einem Netzwerktreffen vor einigen Tagen. Sie betreut langfristig eine afghanische Familie, mit der sie inzwischen auch befreundet ist.

Den richtigen Arzt finden, Termine vereinbaren, Beschwerden verständlich mitteilen - die Studenten überwinden diese Hürden für die Flüchtlinge. Nach den Terminen erklären sie Diagnosen und Therapieempfehlungen, bei Bedarf organisieren sie Dolmetscher.

Wöchentliche Sprechstunde

Auch Theresia Seitz begleitet schon seit einiger Zeit Patienten, etwa einen 17-jährigen Afghanen, der wegen einer Tuberkulose wiederholt zum Lungenfacharzt musste. So konnte sie dazu beitragen, dass er schließlich wieder ganz gesund wurde. Ein Großteil der Kontakte dauert aber nur kurz, oft reicht schon ein einziger Arztbesuch.

An die 200 Begleitungen werden pro Jahr inzwischen angefragt, weit mehr als noch 2012. Damals waren es 80. Die meisten betreffen Bewohner einer Gemeinschaftsunterkunft im Münchner Osten. Dort halten zudem zwei Medizinstudenten wöchentlich eine Sprechstunde ab.

So erfahren sie vieles schon vor Ort und können dann den passenden Arzttermin vereinbaren. Verpflichtend bei jeder Begleitung ist eine Schweigepflichtsbefreiung für den Arzt, die migramed-Studenten haben dafür Vordrucke in allen erforderlichen Sprachen.

Während sie sich mit Erwachsenen häufig erst in der Arztpraxis treffen, müssen sie Minderjährige immer direkt abholen. Für die Erlaubnis zu deren Begleitung ist zusätzlich vorab ein polizeiliches Führungszeugnis erforderlich.

Entlastung für Ärzte

Bei den Ärzten findet die Initiative ganz überwiegend positive Resonanz, auch sie werden dadurch entlastet. "Wir haben als Studenten mehr Zeit, den Patienten alles genau zu erklären", so Mahmoud El Babbou, der bei migramed gleich zwei seltene Eigenschaften einbringt.

Er ist einer der wenigen Männer, was gerade männlichen Flüchtlingen manchmal hilft, etwa bei einem Urologen-Termin. Zudem spricht er Arabisch, so dass die zusätzliche Übersetzung wegfällt.

Am besten ist freilich, wenn Ärzte und Patienten direkt miteinander reden können. Sprechen Mediziner Farsi oder Arabisch, und gehen eventuell auch noch besonders empathisch mit den Patienten um, wird das gesondert vermerkt. Bei solchen Ärzten braucht es dann selten eine Begleitung.

Es gibt aber auch Situationen, in denen nicht alles glatt läuft. Etwa, wenn Ärzte oder Einrichtungen darauf bestehen, Patienten erst nach Vorlage eines Behandlungsscheins zu untersuchen. Oder wenn sich Patienten mit der Zeiteinteilung schwertun und deswegen Termine versäumen.

Die meisten Erfahrungen aber sind positiv, da sind sich alle einig. Nicht zuletzt gibt es viel zu lernen. Derzeit engagieren sich etwa 100 Studenten aller Semester der Ludwig-Maximilians- sowie der Technischen Universität München, ein Organisationsteam koordiniert die Gruppe.

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