Ärzte Zeitung, 17.08.2016
 

Flüchtlinge

Keine einfache Lösung bei Psychotherapien

Von Julia Frisch

Bei der psychotherapeutischen Hilfe für Flüchtlinge reicht es nicht, nur an einem Rädchen zu drehen. Auch wenn die Kosten für die Dolmetscher ohne große Antragsförmelei übernommen würden, bliebe das Problem, dass es zu wenig Therapeuten gibt, deren Sprechstunden nicht schon voll sind und die sich eine Behandlung mit Hilfe eines Sprachmittlers überhaupt zutrauen.

Auch eine feste Finanzierungszusage ließe geeignete Dolmetscher nicht aus dem Boden sprießen. Ohne Kostenübernahme sind allerdings nicht viele Therapeuten bereit, sich auf die Behandlung von Flüchtlingen und den damit verbundenen Kampf mit den Ämtern einzulassen.

Es ist wirklich bedauerlich, dass die vorgesehene Kostenübernahme für "Sprachmittler" wieder aus dem Integrationsgesetz verschwand. Jetzt, wie die gesundheitspolitische Sprecherin der Union, Maria Michalk, zu argumentieren, dass sich auch mit Dolmetscher begleiteten Therapien Anschläge wie in Ansbach offensichtlich nicht verhindern lassen, ist verblüffend simpel.

Man könnte es natürlich auch anders wenden: Wer zu wenig dafür tut, behandlungsbedürftigen Flüchtlingen schnell zu helfen, muss mit teilweise unguten Entwicklungen rechnen. Ein Rädchen greift ins andere.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »