Ärzte Zeitung, 21.11.2016
 

Repräsentative Studie

Flüchtlinge zufrieden mit ihrer Gesundheit

Ihre körperliche Gesundheit schätzen Geflüchtete besser ein als Deutsche, zeigt eine Befragung. Aber: In anderen Bereichen fühlen sich Deutsche eindeutig gesünder.

Von Jana Kötter

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Flüchtlinge fühlen sich laut Studie gesünder als Deutsch.

© Sven Hoppe / dpa / picture alliance

NEU-ISENBURG. Ihren eigenen Gesundheitszustand schätzen viele Flüchtlinge gut ein. Das zeigt eine Befragung von 2300 Geflüchteten durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das Forschungszentrum des Bundesmigrationsamts (BAMF-FZ) und das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) am DIW Berlin.

In der repräsentativen Studie sollen insgesamt 4500 Flüchtlinge zu ihren Erfahrungen und ihrer aktuellen Lebenszufriedenheit befragt werden.

Auf einer Skala von 1 bis 5 haben die Befragten ihren Gesundheitszustand im Schnitt mit 3,92 bewertet; die allgemeine Lebenszufriedenheit im Bereich Gesundheit hat auf einer Skala von 0 bis 10 die Durchschnittsnote 7,72 erhalten. Höhere Werte bedeuten jeweils ein besseres Ergebnis.

Deutsche unzufriedener

Ein Blick auf die deutsche Vergleichsgruppe zeigt, dass die Zufriedenheit sogar höher ist als bei Personen ohne Migrationshintergrund: Diese bewerten ihren Gesundheitszustand laut der Studie mit 3,31, die gesundheitliche Lebenszufriedenheit mit 6,56.

Auch machen sich Geflüchtete laut der Befragung weniger Sorgen um ihre Gesundheit als Deutsche: Auf einer Skala von 1 bis 3 bewerteten die Flüchtlinge die gesundheitlichen Sorgen im Schnitt mit 1,61, in der Vergleichsgruppe lag der Wert bei 1,90.

Eine Erklärung, meinen die Studienautoren, könnte im vergleichsweise niedrigen Alter der Geflüchteten liegen: Bei einer multivariaten Analyse, die unter anderem die Variable Alter kontrolliert, verblieben keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geflüchteten und Personen ohne Migrationshintergrund.

"Es ist ebenfalls denkbar, dass nur vergleichsweise gesunde Menschen die vielfach strapaziösen Belastungen der langen Flucht auf sich genommen haben", heißt es.

Mehr Depressionen bei Geflüchteten

Tatsächlich relativiert sich das Ergebnis eines vergleichsweise gut eingeschätzten körperlichen Gesundheitszustands bei einem Blick auf die Depressivität: Während diese laut 2016 erhobenen Daten bei Menschen ohne Migrationshintergrund im Mittel bei 1,56 (Skalenbereich 1 bis 4) liegt, ist dieser Wert bei den Geflüchteten mit 1,85 deutlich höher.

Auch die Einsamkeit wird von Geflüchteten (2,71 auf einer Skala von 1 bis 5) höher angegeben als von Deutschen (2,03).

Auch die Fluchterfahrungen hat die Befragung thematisiert. Die Flucht ist demnach mit hohen Kosten und Risiken verbunden: Nach Angaben der Befragten lagen die durchschnittlichen Kosten der Flucht aus dem Herkunftsland der von Januar 2013 bis Januar 2016 Zugezogenen bei gut 7000 Euro.

Dabei sei die Flucht auch "mit erheblichen Risiken und Bedrohungen für die körperliche und seelische Unversehrtheit verbunden", bilanziert die Studie.

So gab ein Viertel der Befragten an, Opfer von Schiffbruch geworden zu sein, zwei Fünftel sind Opfer körperlicher Übergriffe geworden. 15 Prozent der weiblichen Geflüchteten berichten in der Befragung von sexuellen Übergriffen.

[21.11.2016, 13:01:23]
Rudolf Hege 
Alles ist relativ
Und zwar relativ je nach der jeweiligen Bezugsgröße. Flüchtlinge vergleichen sich mit den Menschen in ihrer Heimat und Deutsche vergleichen sich mit einer Idealvorstellung, die durch Idealbilder ("der jungendliche 70-jährige") und ständigen Statistikbeschuss der Medien erzeugt wird. Welcher Laie kann denn die Relevanz einer Statistik für das eigene Leben beurteilen? Das "Gesundheitsgefühl" ist immer subjektiv.  zum Beitrag »

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