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Ärzte Zeitung, 23.12.2008

Bei Rheuma geht's schneller zum Experten

Mit Früharthritis-Sprechstunden verbessern Rheumatologen die Therapie bei Rheumatoider Arthritis. Denn nur ein schneller Therapiestart in den ersten drei Monaten der Erkrankung schafft Chancen, Gelenkschäden zu verhindern.

Von Michael Hubert

Ihr Hausarzt lag mit seinem Verdacht auf Rheumatoide Arthritis richtig. Jetzt untersucht ein Rheumatologe die Patientin. Fotos (2): Wyeth Pharma

"Hit hart and early" ist das Credo in der Therapie von Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA). Wesentlich ist die schnelle und korrekte Verdachtsdiagnose durch den Hausarzt. Doch was nützt es, wenn der richtig liegt, sein Patient aber nicht zügig einen Termin beim Rheumatologen erhält? Mittlerweile bieten viele rheumatologische Fachärzte eine Lösung: Früharthritis-Sprechstunden.

Einen Termin innerhalb von zwei Wochen stellen etwa die Rheumatologen der Uni Düsseldorf sicher. Hausärzte können die Patienten mit Faxformularen, die in der Region verteilt wurden, oder per Telefon anmelden. Die Verdachtskriterien einer RA müssen natürlich erfüllt sein: zwei oder mehr geschwollene Gelenke mit symmetrischer Verteilung, Morgensteifigkeit von mehr als einer Stunde und erhöhte BSG- oder CRP-Werte.

"Entscheidend ist, dass die Patienten mit wirklich neu aufgetretenen Symptomen einer RA schnell zum Rheumatologen kommen", sagte Dr. Rebecca Fischer-Betz zur "Ärzte Zeitung". "Nach Anmeldung durch den Hausarzt rufen wir die Patienten an und verifizieren die Angaben."

Der Rheumatologe muss eine Vorauswahl treffen

Fortgeschrittene Rheumatoide Arthritis: Die Gelenke sind nicht nur dick, sondern auch deformiert.

Bei nur knapp 270 Schwerpunktpraxen und knapp 180 ermächtigten Ambulanzen in Deutschland muss für Früharthritis-Sprechstunden eine Vorauswahl getroffen werden. Die normalen Wartezeiten betragen an der Düsseldorfer Uniklinik ansonsten bis zu sechs Monaten.

In der Sprechstunde erfolgt dann eine klinische Untersuchung, die Gelenke werden vorsichtig abgetastet. Rheumafaktoren und Antikörper gegen zyklische citrullinierte Proteine (CCP) werden bestimmt, wenn das nicht schon der Hausarzt veranlasst hat. Eventuell wird auch geröntgt. Kollagenosen werden differenzialdiagnostisch durch Bestimmung von antinukleären Antikörpern (ANA) ausgeschlossen. "Bestätigt sich der Verdacht des Hausarztes, geben wir eine Therapieempfehlung oder wir stellen ein Rezept aus", so Rheumatologin Fischer-Betz. Meist wird mit Basistherapeutika plus niedrig dosierten Steroiden begonnen. Die Patienten bleiben beim Hausarzt als Hauptbetreuer, werden aber vom Rheumatologen mitbetreut.

Die erste Kontrolle erfolgt durch den Hausarzt

Zwei und vier Wochen nach Therapiebeginn bestimmt der Hausarzt Entzündungs-Parameter und - wegen möglicher unerwünschter Arzneimitteleffekte - etwa auch die Leberwerte. Nach zwei bis drei Monaten kommen die Patienten erneut in die Klinik. Dann wird mit dem Disease Activity Score (DAS 28) der Therapieerfolg überprüft und wenn nötig eine Eskalation der Therapie empfohlen. Das ist meist die Kombination zweier Basistherapeutika. Der Rheumatologe entscheidet auch über die Anwendung von Biologicals. Hier gehe der Trend dazu, TNFα-Blocker früher einzusetzen, zumindest bei Patienten mit schwerer RA, so Fischer-Betz.

"Außer den Schnellsprechstunden gibt es auch Verträge zur Integrierten Versorgung für Patienten mit früher Arthritis", ergänzte Dr. Oliver Sander, ebenfalls Rheumatologe am Uniklinikum Düsseldorf. Das seien meist nur Insellösungen, da viele Kassen mit unterschiedlichen Rheumatologen Verträge abschließen. "In der Region Düsseldorf gibt es deshalb eine Hotline, an der alle rheumatologischen Versorger beteiligt sind", so Sander. "Die Patienten können dann zielgerichtet vermittelt werden - je nach Kassenstatus und Erkrankungsdauer."

Unter www.rheumanet.org (Praxis- und Klinikwegweiser) sind Rheumatologen verzeichnet. Die aufgehende Sonne steht für eine Früharthritis-Sprechstunde.

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Verdachtsdiagnose auf Rheumatoide Arthritis (RA)

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie nennt folgende Kriterien für die klinische Verdachtsdiagnose einer frühen RA:

  • neu oder wiederholt aufgetretene weiche Schwellung eines oder mehrerer Gelenke

und zusätzlich eines der Kriterien:

  • Morgensteifigkeit der Gelenke von 30 Minuten oder länger,
  • erhöhte Entzündungsparameter (BSG oder CRP).

Ein positiver Labortest auf Antikörper gegen zyklische citrullinierte Proteine (CCP) stützt die Verdachtsdiagnose. (hub)

Früharthritis-Sprechstunden

Spezialsprechstunden bei Rheumatologen sollen sicherstellen, dass Patienten mit einer frühen Rheumatoiden Arthritis zügig zum Spezialisten kommen. Die Erfahrungen der Rheumatologen sind unterschiedlich. Häufig werden nicht die richtigen Patienten angemeldet. Ein Grund: Für Hausärzte ist die Unterscheidung von Gelenkschwellungen, diffusen Gewebeschwellungen und knöchernen Verbreiterungen schwierig. Abhilfe bieten Anmeldefaxe, in die auch die BSG- oder CRP-Werte eingetragen werden plus Telefonnummer des Patienten. So kann die Rheumapraxis oder -klinik den Patienten kontaktieren. (hub)

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