Ärzte Zeitung, 22.12.2009

Ein Nachweis für jeden geliehenen Cent

Arztpraxen, die einen Kredit benötigen, müssen künftig noch mehr Papierkram erledigen.Sonst gehen sie leer aus.

Eine Kreditklemme im Mittelstand? Die Bankhäuser sagen immer wieder, dass es sie nicht gibt. Und eigentlich wurden auch genügend Staatsgelder zur Verfügung gestellt. Aber die Realität sieht oft anders aus.

"Die Banken haben Probleme mit ihrer Eigenkapitalunterlegung nach BASEL II, dem so genannten Kernkapital", erklärt die Medizin-Ökonomin und Rating-Analystin Ute Meyer aus Nürnberg. Denn in den Bank-Bilanzen gebe es einen hohen Wertberichtigungsbedarf und man wisse derzeit nicht, wo noch weiterer Bedarf bestehe, wann dieser aufgedeckt werde und vor allem in welcher Höhe.

Die Banken geben schärfere Regeln an Kunden weiter

Letztlich hängen bleibt es dann an den Bankkunden. Weil die Banken für jeden Kredit, den sie vergeben, genug Eigenkapitalreserven nachweisen müssen, sind sie eben sparsamer mit Krediten und verlangen von antragstellenden Freiberuflern und Unternehmen wesentlich mehr Informationen und Sicherheiten. Sollte es außerdem zu einer weiteren bankaufsichtsrechtlichen Verschärfung kommen, würde die deutsche Volkswirtschaft massiv unter einer weiter zunehmenden Kreditklemme leiden, sagt Meyer.

Und dass diese Verschärfung kommt, ist nach ihrer Auffassung sehr wahrscheinlich. Denn die Banken hätten aus der Krise noch nicht viel gelernt. Das zeige allein ein aktueller Test unter Banken der Stiftung Warentest. Das Urteil der Tester: Selbst die besten Institute erreichten bei der einfachen Frage nach einer sicheren Anlage nur ein schlechtes "Befriedigend".

Für Ärzte, die einen Kredit benötigen, heißt es daher in Zukunft noch mehr als jetzt, dass sie für jeden Cent, den sie benötigen, genau darlegen müssen, wie zukunftssicher ihr Unternehmen Arztpraxis ist. Das bedeutet zum einen, dass Arztpraxen aufgeschlüsselte Einnahmen-Überschuss-Rechnungen mindestens der letzten drei Jahre vorlegen müssen.

Und zum anderen, dass ein eigener Businessplan nahezu unumgänglich sein wird. Das bringt einiges an Arbeit, weil die Praxis sich Gedanken über ihre Ziele und Situation in folgenden Bereichen machen muss:

  1. Executive Summary: Eine Zusammenfassung dessen, was die Praxis in Zukunft plant und derzeit bietet.
  2. Dienstleistung: Welches Leistungsspektrum bietet die Praxis?
  3. Markt und Wettbewerb: Wie sieht die Konkurrenz aus? Wo gibt es Wachstumsmöglichkeiten?
  4. Marketing: Wie werden Patienten auf die Leistungen der Praxis aufmerksam gemacht?
  5. Geschäftsmodell: Welche Ziele setzt sich die Praxis? Welche Partnerschaften plant sie?
  6. Praxisführung/Personal: Welches Fachwissen ist vorhanden? Wie wird die Praxis geführt? Gibt es ein QM?
  7. Realisierungsfahrplan: Was wird bis wann umgesetzt? Was wurde schon umgesetzt?
  8. Chancen und Risiken: Wo bestehen Möglichkeiten, Zusatzeinnahmen zu generieren? Welchen Entwicklungen sollte die Praxis entgegenwirken?
  9. Finanzplanung: Welche kurz- und langfristigen liquiden Mittel werden benötigt? Welcher Gewinn ist zu erwarten?

Ist der Praxisinhaber auch ein Unternehmertyp?

Zusätzlich müssen sich Praxisinhaber Fragen zu ihrer "Unternehmerpersönlichkeit" gefallen lassen. Und sie müssen angeben, was genau sie mit dem Kreditgeld vorhaben.

Dass die neue Regierung die Bedingungen der Unternehmensfinanzierung verbessern und die KfW stärker als Mittelstandsbank etablieren will, wird wohl nicht viel daran ändern, dass die Banken mehr Papier-Nachweise für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit ihrer Kunden verlangen. Meyer rät Arztpraxen, auch wenn sie schon länger bestehen, ihren Businessplan möglichst genau zu erarbeiten. (reh)

Inhalt Jahresendausgabe 2009
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Jahresendausgabe 2009 (79)
Organisationen
KBV (6718)
KV Hamburg (431)

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