Ärzte Zeitung online, 13.10.2010
 

Katholische Kirche lehnt Gentests an Embryonen strikt ab

BONN (dpa). Die katholische Kirche lehnt Gentests an Embryonen strikt ab. "Die Selektion extrakorporal erzeugter Embryonen ist ein massiver Verstoß gegen Buchstaben und Geist von Grundgesetz und Embryonenschutzgesetz", erklärte Weihbischof Anton Losinger am Mittwoch in Bonn.

Die Verwerfung eines Embryos aufgrund eines auffälligen Chromosomenbefundes verstoße nicht nur gegen die Menschenwürde und das Grundrecht auf Leben und körperlicher Unversehrtheit, sondern auch gegen das im Grundgesetz festgeschriebene Verbot der Benachteiligung wegen einer Behinderung.

Dieses Verbot schütze einen Embryo mit voraussichtlichem Gendefekt ebenso vor Diskriminierung wie geborene Menschen mit Behinderung. Losinger gehört dem Deutschen Ethikrat sowie der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz an.

Der Bundesgerichtshof hatte im Juli geurteilt, dass die Präimplantationsdiagnostik (PID) nach einer künstlichen Befruchtung nicht verboten sei. Das Embryonenschutzgesetz geht auf diese Frage nicht ein. Als es erlassen wurde, war die PID in Deutschland noch nicht verfügbar.

Losinger forderte nun, die sich durch das Urteil ergebenden Lücken im Gesetz zu schließen - etwa durch ein rechtliches Verbot der PID. Eine begrenzte Zulassung sei nicht möglich. Denn wo es um Lebensrecht und Menschenwürde gehe, dürfe es keine Kompromisse geben. "Eine PID ist mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar."

Die PID ist in der Regierungskoalition umstritten. Während Teile der CDU sich für ein Moratorium aussprechen, an dessen Ende ein Verbot stehen soll, will die FDP begrenzte Tests notfalls mit den Stimmen der Opposition durchsetzen.

Lesen Sie dazu auch:
Ethikrat erarbeitet Gutachten zur PID
Union und FDP streiten über PID-Zulassung
Gentests an Embryonen: Rechtlich geklärt, aber ethisch weiter umstritten

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