Ärzte Zeitung, 19.10.2010

Kommentar

Merkel macht die PID zur "C"-Frage

Von Florian Staeck

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nicht für vorschnelle Festlegungen bekannt. Um so mehr verwundert auf den ersten Blick, dass sie sich für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen hat. Auch gehörte die Kanzlerin in der Vergangenheit bei biopolitischen Streitthemen eher zur forschungsfreundlichen Fraktion in der Union - so bei der Debatte über humane embryonale Stammzellen. Dass Merkel nun beim Streit über ein Verbot oder die Zulassung der PID trotz Widerspruchs in den eigenen Reihen die Meinungsführerschaft beansprucht, ist kein Zufall.

Die Union sucht nach Abgrenzung zu anderen Parteien. Konservative sehen die "Sozialdemokratisierung" der Partei in Folge der großen Koalition mit Unbehagen. Das "C" im Parteinamen ist aus Sicht vieler Anhänger zu oft eine Leerstelle. Deshalb stellt der Streit über die PID für Merkel einen Lackmustest dar, um das christliche Profil der Partei zu schärfen.

Ob die Rechnung aufgeht, ist ungewiss. Denn biopolitische Debatten boten in der Vergangenheit Anlass für fraktionsübergreifende Gruppenanträge im Bundestag. Ein Machtwort der Kanzlerin zählt da nur wenig.

Lesen Sie dazu auch:
Embryonenschutz kann Spaltpilz der Koalition werden
Neuer Streit in der Koalition um Embryonenschutz
Merkel: Tests an Embryonen sind eine Gewissensentscheidung

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »