Ärzte Zeitung online, 19.10.2010

Justizministerin für freie Abstimmung zu Gentests

BERLIN (dpa). Im Konflikt über Gentests an Embryonen ist Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger für eine Parlamentsentscheidung ohne Fraktionszwang. Dem "Reutlinger General-Anzeiger" (Dienstagsausgabe) sagte die FDP-Politikerin: "Hier geht es um eine klassische Gewissensfrage."

Wie bei der Organtransplantation, beim Thema Abtreibung oder der Patientenverfügung gehe es auch bei Gentests an Embryonen um schwierige ethische Abwägungen.

In der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagsausgabe) bekräftige die Justizministerin die Haltung ihrer Partei, "in einem engen Rahmen" die Präimplantationsdiagnostik (PID) zuzulassen. "Der Bundesgerichtshof hat dies auch als Möglichkeit eröffnet", sagte sie.

Die rheinland-pfälzische CDU-Landeschefin Julia Klöckner sprach sich gegen die Selektion von künstlich befruchteten Embryonen nach einer Präimplantationsdiagnostik aus. "Wenn wir diese Tür aufmachen, werden wir sie nicht mehr zubekommen. Jemand, der beeinträchtigt ist ­ weil er mit einer Behinderung geboren wurde oder sie im Laufe des Lebens erwirbt ­ ist genauso viel Wert wie ein Mensch ohne Beeinträchtigung", sagte sie der "Leipziger Volkszeitung" (Dienstagsausgabe).

"Meine große Sorge ist, dass die Erlaubnis der PID zu einer TÜV-Gesellschaft führt, die ungeborenen Kindern nur dann die Einpflanzung in die Gebärmutter und damit die Geburt gestattet, wenn sie einen Test bestehen", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverbraucherschutzministerium.

Lesen Sie dazu auch:
Embryonenschutz kann Spaltpilz der Koalition werden

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