Ärzte Zeitung online, 24.06.2011

Ärzte übernehmen Verantwortung für PID

Die Ärzteschaft stimmt der PID zu - aber "nur in engen Grenzen und unter kontrollierten Voraussetzungen", so der sächsische Ärztekammerpräsident Jan Schulze. Der Bundestag stimmt am 7. Juli über das umstrittene Verfahren ab.

Von Sunna Gieseke

Ärzte übernehmen Verantwortung für PID

Wann beginnt das Leben? Eine Fortpflanzungsmedizinerin studiert die Zellteilung.

© Grubitzsch / dpa

BERLIN.Die Ärzteschaft hat angekündigt, bei der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) Verantwortung übernehmen zu wollen.

Wenn sich der Gesetzgeber für eine Zulassung der PID ausspreche, werde die Ärzteschaft dafür sorgen, dass dieses Verfahren "unter kontrollierten Bedingungen und nur bei vorheriger fachkundiger Beratung angewendet" werde, sagte der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Professor Jan Schulze. Die ethische Abwägung spreche für eine PID-Zulassung "in bestimmten Grenzen".

Das Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK) bezog seine Aussage auf ein Memorandum der BÄK, das auf dem Deutschen Ärztetag in Kiel mit großer Mehrheit angenommen wurde (204 Zustimmungen, 33 Gegenstimmen, sechs Enthaltungen).

Darin heißt es: Unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit für die Frau "ist die In-vitro-Befruchtung mit PID in bestimmten Fällen ethisch weniger problematisch als eine Pränataldiagnostik mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch".

Die PID solle jedoch ausschließlich bei Erkrankungen vorgenommen werden, für die bei einem Paar ein hohes genetisches Risiko bekannt sei, so Schulze.

Wenn etwa das Risiko bestehe, das Kind könne an Mukoviszidose erkranken, dürfe der Embryo nicht zusätzlich auf Trisomie 21 untersucht werden, ergänzte Professor Heribert Kentenich, Chefarzt der Gynäkologie an den DRK Klinken Berlin-Westend.

Ohnehin seien Geschlechtsbestimmung, Alter der Eltern oder reproduktionsmedizinische Maßnahmen keine Indikation für die PID. Daher sei ausgeschlossen, dass künftig nur noch "Designerbabys" zur Welt kämen, so Kentenich.

Der Gynäkologe glaubt auch nicht, dass die Zulassung der PID zu einem "Dammbruch" führen wird: Die Erfahrungen in England und Frankreich belegten, dass bei klarer gesetzlicher Regulierung keine generelle Ausweitung der PID erfolge. Zudem sei zur Patienten-Autonomie eine umfassende Information und Beratung erforderlich.

Voraussichtlich am 7. Juli sollen die Bundestagsabgeordneten über das Verfahren abstimmen. Drei Gesetzentwürfe stehen Dann soll über drei Gesetzesentwürfe entschieden werden - einer sieht ein striktes Verbot, ein anderer die Zulassung in engen Grenzen und der dritte die Zulassung der PID nur in Extremfällen vor.

Letztgenannter Gesetzentwurf, der von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und den Abgeordneten Rene Röspel (SPD) und Priska Hinz (Grüne) eingebracht wurde, soll einem Bericht der "Berliner Zeitung" zufolge noch geändert werden.

Bisher hieß es darin, dass die PID nur dann zugelassen werde, wenn aufgrund einer genetischen Vorbelastung der Eltern eine Fehl- oder Totgeburt drohe oder das Kind im ersten Lebensjahr sterben werde. Dieses Kriterium soll dem Bericht zufolge ersatzlos gestrichen werden. Das könnte ein neuer Mittelweg sein.

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