Ärzte Zeitung online, 13.07.2012

Parteiübergreifende Kritik an PID-Entwurf

BERLIN (dpa). Der Verordnungsentwurf des Gesundheitsministeriums zur Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) wird von deren Gegnern parteiübergreifend kritisiert. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr wehrt sich.

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), sagte der Zeitung "Die Welt", die Verordnung sei "so formuliert, dass letztlich alle PIDs durchgeführt werden können, die nur verlangt werden".

So sei schon in der Überschrift des Entwurfs von der "rechtmäßigen Durchführung der PID" die Rede.

"Das Gesetz aber kennt diese rechtmäßige Durchführung nicht, sondern bestimmt ein Verbot der PID und dann einige Ausnahmen, in denen sie nicht strafbar ist. Davon weicht dieser Entwurf ab."

Bender gegen Begrenzung

Die Gesundheitsexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Birgitt Bender, stört sich zudem daran, dass die Zahl der künftig zuständigen PID-Zentren in dem Entwurf nicht beschränkt wird.

Bender, die wie CDU-Mann Hüppe im Bundestag zu den unterlegenen PID-Gegnern gehörte, sagte der Zeitung: "Wenn es tatsächlich nur wenige PID-Fälle gibt, wie die PID-Befürworter behaupten, dann wären jene vielen Zentren überhaupt nicht ausgelastet und könnten mangels praktischer Erfahrungen nicht die erforderliche Qualität gewährleisten."

Zu befürchten sei deshalb, dass "es einen starken Druck zur Ausweitung der PID-Anwendung gibt".

Bahr: Kritiker wollen offenbar Beschluss wieder aushebeln

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat die Proteste gegen seine Rechtsverordnung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) zurückgewiesen. Den Kritikern warf er vor, letztlich die Bundestagsentscheidung vom vergangenen Jahr zur begrenzten Freigabe solcher Embryonen-Gentests hintertreiben zu wollen.

"Die Kritiker wollen offensichtlich den damaligen Beschluss wieder aushebeln und versuchen nun, die Verordnung in eine Richtung zu bewegen, mit der die Grundsatzentscheidung des Bundestags konterkariert würde", sagte Bahr der Zeitung "Die Welt".

Vor einem Jahr hatte der Bundestag nach emotionaler Debatte die Untersuchungsmethode bei künstlichen Befruchtungen begrenzt zugelassen. Die im Reagenzglas erzeugten Embryonen werden dabei vor der Einpflanzung in den Mutterleib auf Gendefekte untersucht, die eine Tot- oder Fehlgeburt oder eine schwere Krankheit des Kindes wahrscheinlich machen.

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