Ärzte Zeitung, 12.10.2015
 

AOK

Gesundheit im vereinten Europa

Mit länderübergreifenden Versorgungsverträgen und Kooperationen mit Ärzten und Kliniken im EU-Ausland will die AOK nicht nur Reisenden eine gute Versorgung bieten. Auch Versicherte, die in Grenzregionen leben, profitieren.

Von Thomas Hommel

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Entspannt unterwegs: Mehr als ihre Gesundheitskarte müssen AOK-Versicherte nicht dabei haben, um die EU-Versorgungsverträge nutzen zu können.

© petunyia / fotolia.com

BERLIN. Europa wächst zusammen. Das bietet Chancen - etwa die, Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung zu verbessern. Die AOK nutzt diese Möglichkeit zugunsten ihrer Versicherten auf vielseitige Art und Weise. ProDialog stellt anhand ausgewählter Beispiele das grenzüberschreitende Engagement der AOK vor:

AOK Rheinland/Hamburg

Rundum gut versorgt am Urlaubsort - der AOK-EuropaService

Egal, ob beruflich oder privat: Die Bundesbürger verbringen immer mehr Zeit im EU-Ausland. Doch spätestens im Krankheitsfall tun sich Grenzen auf, welche die nationalen Gesundheitssysteme heute noch mit sich bringen - oft zum Nachteil für die Versicherten. Die AOK Rheinland/Hamburg hat deshalb Versorgungsverträge nach Paragraf 140e SGB V mit Kliniken und MVZ in den Ländern Europas abgeschlossen, in die Versicherte der Gesundheitskasse häufig verreisen.

In diese Verträge, die unter der Marke AOK-EuropaService laufen, sind inzwischen die AOK Nordost, die AOK NORDWEST, die AOK Sachsen-Anhalt und seit 2013 auch die AOK Bremen/Bremerhaven, die AOK Niedersachsen sowie die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland eingebunden.

Somit können rund elf Millionen Versicherte von dem Angebot profitieren. Und so funktioniert es: Versicherte legen am Empfang der Praxis oder Klinik ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK) vor und erhalten online die Genehmigung der medizinischen Versorgung im Rahmen des jeweiligen Vertrages. Der Leistungserbringer rechnet für alle Partner-AOKen über die AOK Rheinland/Hamburg die Kosten für die entsprechende Leistung ab.

Infos: https://aok.europaservice24.de

AOK Niedersachsen

Herzfehler bei Neugeborenen - mit dem Notarztwagen nach Holland

Ein Herzfehler tritt bei jedem 100. Neugeborenen auf und zieht eine aufwendige Behandlung in einer Klinik nach sich, die darauf spezialisiert ist. Die AOK Niedersachsen hat daher 2010 eine Kooperationsvereinbarung mit dem Klinikum Oldenburg sowie Spezialisten am Zentrum für angeborene Herzerkrankungen der Uniklinik Groningen geschlossen.

Seither können Versicherte ohne großen Verwaltungsaufwand in Groningen operiert werden. Groningen liegt nur 130 km von Oldenburg entfernt und damit deutlich näher als die großen deutschen Kinderherzzentren mit gleicher Qualifikation. Der Transport der Kinder erfolgt auch nicht im Helikopter, sondern mit einem speziellen Baby-Notarztwagen.

Dort kann der Arzt jederzeit am Inkubator intervenieren, was in der Luft nicht möglich ist. Die Nachbehandlung der Babys erfolgt in der Kinderklinik Oldenburg. Künftig soll der Vertrag noch um die Versorgung von Kindern mit Hirntumoren erweitert werden.

Infos: www.aok.de/niedersachsen

AOK Nordost

Schnell mal zum Arzt gehen - in Deutschland wie in Polen

Die Idee ist simpel und einleuchtend zugleich: Polnische Versicherte der AOK Nordost können - wie mitversicherte Familienmitglieder auch - mit ihrer eGK in der Heimat und in Deutschland einen Haus- oder Facharzt aufsuchen und sich von ihm behandeln lassen. Um dies zu ermöglichen, hat die Gesundheitskasse einen Versorgungsvertrag mit dem Asklepios Poland Gesundheitszentrum in Stettin geschlossen.

Rechtliche Grundlage dafür bildet Paragraf 140e SGB V. Die AOK Nordost reagiert damit auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU, von der gerade in Polen lebende Arbeitnehmer häufig Gebrauch machen. Der Vorteil für polnische AOK-Versicherten und ihre mitversicherten Familienangehörigen: Sie erhalten kurzfristig einen Termin im Gesundheitszentrum in Stettin. Dort stehen den Patienten deutsch und polnisch sprechende Ärzte zehn unterschiedlicher Fachrichtungen zur Verfügung.

Infos: www.aok.de/nordost

AOK Baden-Württemberg

Schnelle, unbürokratische Hilfe - Netzwerk für Epilepsie-Patienten

Keine langwierigen Vorab-Genehmigungen, dafür kurze Abrechnungswege: Über einen Vertrag zwischen dem Epilepsiezentrum Kehl-Kork auf badischer Seite des Rheins und den Hôpitaux Universitaires de Strasbourg hat sich in den vergangenen Jahren eine Zusammenarbeit entwickelt, von der mittlerweile rund 100.000 an Epilepsie erkrankte Menschen auf beiden Seiten profitieren.

Französische Patienten können für die Diagnostik mittels Magnetresonanztomografie sowie neuropsychologische Untersuchungen und chirurgische Eingriffe in Kork aufgenommen werden. Deutschen Patienten wiederum stehen auf Straßburger Seite die Positronen-Emmissionstomografie, die Implantation von Tiefenelektroden sowie neurochirurgische Eingriffe offen. Auch unterhält die AOK Einzelverträge nach Paragraf 140e SGB V mit schweizerischen Krankenhäusern.

Infos: www.aok-bw.de

AOK Rheinland-Pfalz/Saarland

Deutschland, Frankreich und zurück - Beratung für Grenzgänger

Seit zwölf Jahren unterhält die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland mit ihrer französischen Nachbarkrankenkasse - der CPAM de Moselle - einen Kooperationsvertrag, der die Betreuung und Beratung von Grenzgängern beinhaltet. Die Beratung im Rahmen dieser Kooperation bietet die Gesundheitskasse in ihrer Landesdirektion in Saarbrücken.

Kernpunkt der Vereinbarung ist jedoch ein Beratungsangebot der AOK bei der Partnerkasse in Frankreich selbst. Dort bieten Mitarbeiter der Kasse an drei Freitagen im Monat in den Geschäftsstellen Forbach und Sarreguemines Sprechstunden an - natürlich auch in französischer Sprache.

Eine ähnliche Rolle spielt die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland auch beim sogenannten MOSA-Projekt, das seit Juli 2015 am Start ist: Französische Arbeitnehmer, die sich auf Stellensuche ins Saarland oder nach Rheinland-Pfalz begeben, werden hier ausführlich beraten, was hinsichtlich Krankenversicherungsschutz, Rente etc. als Grenzgänger zu beachten ist.

Infos: www.aok.de/rheinland-pfalz-saarland

AOK Bayern

Nach Skiunfall - Verträge sichern Behandlung in Österreich

Der Himmel blau, der Schnee griffig: Alle Jahre wieder zieht es Hunderttausende Skifahrer auf die Pisten hoch oben in die Alpen. An einen Unfall denken die wenigsten. Sollten sie aber, denn Statistiken belegen, dass sich pro Saison etwa 50.000 Wintersportler so schwer verletzen, dass sie anschließend ärztlich versorgt werden müssen.

Da es in den vom Skitourismus geprägten Regionen Österreichs mitunter zu Problemen bei der direkten Inanspruchnahme der dortigen Leistungserbringer mittels Krankenversichersicherungskarte kommen kann, hat die AOK Bayern bereits 2007 als erste deutsche Krankenkasse einen Vertrag zur Behandlung von Versicherten während eines vorübergehenden Aufenthalts in Österreich mit der dortigen medalp-Gruppe abgeschlossen.

Dank dieser Einzelverträge können Versicherte der Gesundheitskasse nach Vorlage ihrer eGK in Mayrhofen (Zillertal), in Sölden (Ötztal) und Imst mehrere auf die Versorgung von Sportverletzungen spezialisierte Leistungserbringer - darunter Schwerpunktpraxen für Unfallchirurgie, Fachkliniken und Medizinische Zentren - zur Notfallversorgung aufsuchen.

Im Rahmen der Verträge können auch Versicherte der AOK Baden-Württemberg die Leistungen mittels elektronischer Gesundheitskarte in Anspruch nehmen.

Infos: www.aok.de/bayern > Gesundheit > Reisen und Medizin

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