Ärzte Zeitung, 02.05.2017

Interview

"Wir holen alle Akteure mit ins Boot"

Dr. Matthias Holfeld, Leiter des Wundzentrums am Harzklinikum in Quedlinburg, über zähe Wunden und eine Brücke zwischen ambulant und stationär.

Ärzte Zeitung:Patienten mit chronischen Wunden durchlaufen oft einen langen Leidensweg. Woran liegt das?

Dr. Holfeld:Es gibt mehrere Gründe. Häufig ist die für die Wunde ursächliche Grunderkrankung nicht bekannt oder sie wird nicht adäquat behandelt. Ein Wundverschluss ohne Wunddiagnostik und Ursachenbehebung ist aber unmöglich. Dann kommt es vor, dass moderne Wundauflagen nicht phasengerecht eingesetzt werden. Das größte strukturelle Problem aber besteht darin, dass die Verantwortlichkeiten in der Versorgung der Patienten oft nicht exakt festgelegt sind.

Und die Folgen der fehlenden Koordination?

Die Gefahr ist, dass Haus- und Facharzt, Krankenhaus und Pflegedienst den Patienten aneinander vorbei behandeln. Oder es kommen unterschiedliche Hilfsmittel zum Einsatz. Das Spezialpflaster etwa, das die Klinik zur Behandlung einer großflächigen Wunde am Rücken aufträgt, wird nicht weiterverwendet, wenn der Patient zu Hause weiterversorgt wird.

Was zeichnet das Angebot zur modernen Wundversorgung von AOK Sachsen-Anhalt und vier Wundzentren im Land aus?

Das Angebot verhindert Brüche in der Behandlung chronischer Wunden und schlägt eine Brücke zwischen ambulant und stationär. Im Wundzentrum, in dem qualifizierte Ärzte, Pflegefachkräfte und speziell geschulte Physiotherapeuten arbeiten, laufen alle Fäden zusammen. Hier liegt die Gesamtverantwortung für die Therapie.

Was genau leistet das Wundzentrum?

Nach Überweisung des Patienten stellen wir einen individuellen Behandlungsplan auf. Dabei berücksichtigen wir sämtliche Grunderkrankungen und holen alle an der Behandlung beteiligten Akteure mit ins Boot. Die Versorgung findet weiter in der Häuslichkeit des Patienten statt. Hausarzt und Pflegedienst behandeln ihn weiter und kümmern sich zum Beispiel um den regelmäßigen Verbandswechsel. Dabei findet immer eine Rückkoppelung mit uns statt. Bei Bedarf wird die Behandlung überprüft und der Behandlungsplan angepasst. (hom)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schützt Blutdrucksenkung auch vor Demenz?

Bei medikamentöser antihypertensiver Therapie war in einer US-Studie das Demenzrisiko deutlich reduziert. Das könnte eine Hoffnung für Demenz-Patienten sein. mehr »

Hausärzte zur Kooperation mit Pflegeheimen verpflichtet

Union und SPD bringen ihr zweites Gesetzespaket in der Gesundheitspolitik auf den Weg. Es geht um ein Milliarden Euro schweres Pflege-Programm. mehr »

"Keine Angst, man schläft nicht in der Praxis!"

Zwei Mediziner mit eigener Praxis berichten Jungärzten offen von Licht und Schatten der Niederlassung. mehr »