Ärzte Zeitung online, 27.10.2017
 

Dr. Jürgen Malzahn vom AOK-Bundesverband

"Kompetenzen für den Notfall bündeln"

Wie eine Reform der ambulanten Notfallversorgung aussehen könnte, skizziert Dr. Jürgen Malzahn, Leiter der Abteilung Stationäre Versorgung, Rehabilitation beim AOK-Bundesverband.

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Malzahn, woran krankt die Notfallversorgung in Deutschland?

Dr. Jürgen Malzahn: Die Probleme sind vielschichtig: Standorte und Kapazitäten der Notfallversorgung werden nicht einheitlich und gemeinsam geplant. Es fehlt zudem eine Definition von Zielgrößen, an der sich ablesen lässt, wo eine von Vertragsärzten betriebene Notdienstpraxis am Krankenhaus sinnvoll ist.

Auch eine Steuerung der Patienten in die Notfalleinrichtungen findet nicht statt. Das Ende des Liedes ist: Die Notaufnahmen der Kliniken versorgen in relevantem Umfang ambulante Notfallpatienten, die aus medizinischer Sicht im Rahmen des Notdienstes der kassenärztlichen Versorgung oder auch zu normalen Praxisöffnungszeiten behandelt werden könnten.

Was schlägt die AOK vor, um die Probleme zu lösen?

Das Modell der AOK sieht vor, ambulante Kapazitäten der Notfallversorgung in integrierten Notfalleinheiten zusammenzuführen. Notfall-Patienten hätten dann eine zentrale Anlaufstelle. Niedergelassene Ärzte und Klinikärzte arbeiten in den Notfalleinheiten zusammen. An einem "Tresen" wird entschieden, ob der Patient mit ambulanten oder stationären Notfallkapazitäten zu versorgen ist oder in die vertragsärztliche Regelversorgung entlassen wird.

Der Sicherstellungsauftrag für die Notfallversorgung sollte bei auf Landesebene angesiedelten Gremien liegen, die mit KV, Kliniken und Kassen paritätisch besetzt sind. Die Länder haben die Rechtsaufsicht und können an den Beratungen des Gremiums teilnehmen.

Was erwarten Sie vom Gesetzgeber?

Er sollte bald einen Reformauftrag erteilen. Ziel muss eine effiziente, patientenorientierte Notfallversorgung sein. Partikularinteressen haben zurückzustehen. Es geht darum, alle Teile der Notfallversorgung – Rettungsdienst, Vertragsärzteschaft und Kliniken – in den Blick zu nehmen. Auf diese Weise lassen sich die Kompetenzen für den Notfall bündeln. (hom)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »