Ärzte Zeitung online, 24.11.2017

Endoprothetik-Experte

"Mit schwierigen Op ist es wie beim Klavierspielen"

Übung macht den Meister, sagt Professor Dr. Andreas Halder von den Sana-Kliniken Sommerfeld sehr deutlich. Dennoch sei beim Thema Mindestmengen genau zu hinterfragen, wie hoch diese anzusetzen sind.

Ärzte Zeitung: Übung macht den Meister! Gilt das auch für den Gelenkersatz?

Prof. Andreas Halder: Ja. Im Prinzip ist jede Operation die Abfolge manuell ausgeführter Tätigkeiten, die mit guter Anleitung, häufiger Praxis und wachsender Erfahrung immer besser werden.

Kollegen, die einen komplexen Eingriff häufiger durchführen, erzielen auch bessere Ergebnisse. Mit schwierigen Operationen ist es wie beim Klavierspielen: Schon nach kurzer Pause ist man nicht mehr so geübt und nach langem Aussetzen sogar unsicher.

Das gilt für Operateur und Operationsteam?

Definitiv. Daher ist es wichtig, dass nicht nur der Chirurg, sondern das ganze Team durch das regelmäßige Ausführen eines schwierigen Eingriffes im Training bleibt, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

Empfiehlt sich eine Ausweitung der Mindestmengen-Vorgaben auf Hüftgelenks-Operationen?

Natürlich braucht es auch dort eine gewisse Routine. Insofern wäre eine Mindestmenge sicherlich nicht falsch, wobei genau zu hinterfragen ist, wie hoch die Mindestmenge anzusetzen ist.

Wie ist Ihr Eindruck: Informieren sich Hausärzte im Vorfeld über die Qualität einer Klinik?

Ich bin mir sicher: Die Kolleginnen und Kollegen haben das Wohl der ihnen anvertrauten Patienten im Auge. Schon deshalb werden sie sich schwer tun, einen Patienten mit großen Schmerzen im Knie oder in der Hüfte zwecks Gelenkersatz irgendwo hinzuschicken. Natürlich informieren sich Einweiser vorab, welche Klinik macht den Eingriff häufiger. Im Übrigen: Die Patienten tauschen sich ja auch untereinander aus und kommen mit diesem Wissen dann in die Arztpraxis.

Ist das Endoprothesenregister ein Schritt hin zu mehr Patientenschutz?

Ganz sicher. Mithilfe eines solches Registers lassen sich relativ schnell wertvolle Rückschlüsse auf die Qualität eines Implantates und die Versorgungsgüte eines Krankenhauses ziehen.

Ich bin auch der Meinung, dass ein solches Register verpflichtend sein sollte, denn je breiter die Datenbasis ist, umso verlässlichere Rückschlüsse können wir ziehen, wie sich die Versorgungsqualität in der Endoprothetik verbessern lässt. (hom)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »

Diabetes-Strategie zum Greifen nah

Der gezielte Kampf gegen Diabetes könnte schon bald konkrete Formen annehmen. Zum heutigen Welt-Diabetestag zeichnet sich zwischen Union und SPD ein Kompromiss für eine nationale Diabetes-Strategie ab. mehr »