Ärzte Zeitung online, 30.08.2018

Neue Versorgungsformen

TeleDoc PLUS – ein Modell zum Ausrollen

Die telemedizinischen Hausbesuche könnte es künftig auch in Sachsen flächendeckend geben.

ERFURT. Ursprünglich von einem Hausarzt im Bergischen Land entwickelt, findet das telemedizinische Versorgungsangebot TeleDoc PLUS vor allem in den neuen Bundesländern Anklang. Den Grundstein dafür legte die KV Thüringen (KVT) bereits 2017, als sie sich dazu entschloss, auf Kassenseite Partner für dieses Hausbesuchs-Modell zu suchen.

Der Vorteil des Freistaats lag auf der Hand: In Thüringen gibt es bereits rund 400 nichtärztliche Praxisassistentinnen (NäPa), die Hausbesuche für Ärzte übernehmen. Und genau diese Zusatzweiterbildung braucht es auch für den delegierbaren telemedizinischen Hausbesuch.

Hausarzt Dr. Thomas Aßmann aus dem Bergischen Land beobachtete 2015 nämlich im Kreis Aachen den Einsatz eines telemedizinisch ausgestatteten Rettungswagens und fand, dies sei auch für eine Landarztpraxis eine gute Idee. Gemeinsam mit dem Softwareunternehmen vitaphone GmbH entwickelte er daraufhin "TeleArzt".

Das Versorgungsmodell wird bereits in einigen Regionen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens und Bayerns eingesetzt. Thüringen ist aber das erste Bundesland, in dem es unter dem Namen TeleDoc PLUS flächendeckend zur Verfügung gestellt wird. Möglich macht es ein Versorgungsvertrag, den die KV und die AOK PLUS im Frühjahr 2018 geschlossen haben.

30 Ärzte schon im Boot

Derzeit nehmen 30 Ärzte daran teil (Stand Juli 2018). Die telemedizinischen Hausbesuche werden für AOK-Versicherte außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung bezahlt, hierfür gibt es fünf eigene Abrechnungspositionen, die mit der Quartalsabrechnung über die KV abgerechnet werden.

"Im partnerschaftlichen Zusammenspiel mit der KV Thüringen haben wir ein absolut zeitgemäßes Projekt entwickelt, das ideal die bereits existierenden Versorgungsstrukturen in Thüringen ergänzt", sagt AOK PLUS-Vorstandschef Rainer Striebel.

"TeleArzt ist ein Digitalisierungsprojekt, das genau an der richtigen Stelle ansetzt. Es spart Zeit beim Patienten und in der Praxis, weil Gesundheitsdaten von Hausbesuchen direkt ins Praxisverwaltungssystem eingespeist werden", erklärt auch KVT-Chefin Dr. Annette Rommel. "Vor allem in ländlichen Gegenden unterstützen wir damit die hausärztliche Versorgung und entlasten die Mediziner gleichzeitig", ergänzt Striebel. Laut AOK PLUS ist eine Ausweitung auf Sachsen vorgesehen.

Und auch die KV bemüht sich um eine Ausweitung auf die Versicherten weiterer Krankenkassen. (reh)

Lesen Sie dazu auch:
Delegation geht in die Fläche: Mit dem Tele-Rucksack auf Hausbesuch

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