Sonderdruck A4, 12.06.2009

Wann der Austausch o.k. ist

Bei der Erlaubnis für den Austausch eines Arzneimittels gibt es regional große Unterschiede.

Von Florian Staeck

Bei der Erlaubnis zur Substitution durch den Apotheker ist Deutschland ein uneinig Vaterland: Die Bereitschaft variiert um bis zu 14 Prozentpunkte.

So lassen niedergelassene Ärzte in Bayern in 94,1 Prozent der Fälle den Austausch des generischen Präparats durch einen Apotheker zu, wenn ein Rabattvertrag vorliegt. Deutlich anders sieht das in Thüringen aus. Dort geben nur etwa 81 Prozent grünes Licht für die Substitution. Diese Daten hat das Marktforschungsinstitut IMS Health für März 2009 ermittelt.

Ärzte im Osten sind eher skeptisch beim Austausch

Ein festes Muster lässt sich bei der Rangfolge nicht erkennen. Allerdings sind Ärzte in den neuen Ländern tendenziell eher skeptisch bei der Austauscherlaubnis - und kreuzen entsprechend häufiger das Aut-idem-Kästchen an. Auf den Spitzenplätzen liegen nach Bayern das Saarland, Westfalen-Lippe, Nordrhein und Niedersachen, in denen jeweils über 90 Prozent der Ärzte im Falle eines Rabattvertrags grünes Licht für den Austausch durch Apotheker geben. Am stärksten zurückhaltend zeigen sich Niedergelassene außer in Thüringen in Schleswig-Holstein, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern beim Austausch rabattierter Generika-Präparate.

Die Untersuchung von Austauschraten nach Kassenart zeigt ebenfalls bemerkenswerte Unterschiede: Liegt ein Rabattvertrag vor, stimmen Ärzte bei knapp 87 Prozent der Verordnungen eines Generikums dem Austausch zu. Im BKK-System sind es zwei Prozentpunkte mehr, bei Barmer-Versicherten sogar 90 und bei IKK-Versicherten 92 Prozent. Durchgehend ist bei allen Kassenarten die Austauscherlaubnis der Ärzte größer, wenn ein Rabattvertrag vorliegt.

Handelt es sich dagegen nur um festbetragsgeregelte Präparate ohne Rabattvereinbarung, so geben Ärzte beispielsweise bei AOK-Patienten nur in 80,8 Prozent der Fälle grünes Licht. Bei Betriebskassen (76,3 Prozent), Barmer (71,5) und Innungskassen (68,7) geben Niedergelassene noch seltener die Erlaubnis zum Austausch. Liegen Rabattverträge vor, dann animieren Sortimentsverträge -  die gerade von den Ersatzkassen geschlossen worden sind - anscheinend häufiger dazu, den Austausch zuzulassen.

Tatsächlich ist gerade die erste Welle von Rabattverträgen bei der AOK von Problemen gekennzeichnet gewesen wie etwa Lieferausfall oder dem häufigen Wechsel von Rabattpartnern. Darauf haben Ärzte reagiert und verbieten mit dem Aut-idem-Kreuz bei AOK-Patienten häufiger als bei anderen Kassenversicherten den Austausch.

Lesen Sie dazu mehr:
Special Rabattverträge

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wie das Ebola-Virus das Immunsystem austrickst

Das Ebola-Virus hat einen molekularen Trick entwickelt, mit dem es das Immunsystem ablenkt. Ganz hilflos ist das Immunsystem allerdings nicht – dank einer Gegenmaßnahme. mehr »

Medizin unterm Hakenkreuz

Die zweite Staffel der erfolgreichen Klinikserie erzählt die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs an Deutschlands berühmtester Klinik – und die Abgründe der Medizin in der Nazizeit. mehr »

Erhitztes, rauchfreies Tokio?

Olympia 2020 in Tokio steht unter einem schlechten Stern: Die Hitzewelle 2018 rückt die Gesundheitsgefährdung für Athleten wie Zuschauer in den Fokus. Die Megalopole soll zudem zum rauchfreien Gastgeber werden. mehr »