Ärzte Zeitung, 01.03.2013
 

Rabattverträge

AOK sieht echte Marktwirtschaft

Lieferengpässe bei Arzneien und Impfstoffen haben die Rabattverträge wieder in die Diskussion gebracht. Kritiker betrachten sie als Ursache der Probleme. Die AOK hält dagegen - und verweist auf den Nutzen für kleine Hersteller.

Von Wolfgang van den Bergh

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Welches Präparat wird es wohl werden?

© Klaro

BERLIN. Bundesverband und Wissenchaftliches Institut der AOK widersprechen der These, dass Rabattverträge Monopolbildungen begünstigen.

Das Gegenteil sei der Fall: "Durch die alle zwei Jahre neu ausgeschriebenen Rabattverträge haben auch kleinere Unternehmen bessere Chancen, sich höhere Marktanteile zu sichern", heißt es in einer Stellungnahme des AOK Bundesverbandes für das Bundeswirtschaftsministerium.

Christopher Hermann, AOK-Chef in Baden-Württemberg, verteidigt die Ausschreibungen. "Mit den Rabattausschreibungen haben erstmals freie Marktmechanismen den Arzneimittelmarkt erreicht", sagte Hermann der "Ärzte Zeitung".

Nach AOK-Berechnungen konnte die zwischen 2007 und 2011 zu beobachtende "deutliche Konzentration der Marktanteile" merklich reduziert werden, heißt es.

Insgesamt vereinten folgende Unternehmensgruppen zusammen etwa 40 Prozent des Generikamarktes auf sich, davon: Sandoz, Hexal und 1 A Pharma 17,5 Prozent; Ratiopharm und CT Arzneimittel 15,5 Prozent sowie Stada und Aliud Pharma 7,3 Prozent.

Bis 2011 hätten dann auch andere Unternehmen ihren Marktanteil steigern können, so dass der Umsatzanteil der genannten Unternehmen auf etwa 25,5 Prozent gesunken sei. Ein weiterer Effekt laut AOK: Die Öffnung des Marktes habe zu einer deutlichen Zunahme der Anbieter bei bedeutenden Wirkstoffen wie Omeprazol, Simvastatin und Clopidogrel geführt.

Probleme vor allem im stationären Sektor

Bereinigungen stellt die AOK außerhalb des Rabattmarktes fest. Die Ausgestaltung der Ausschreibungen seien daher "mittelstandsfreundlich".

Die AOK sieht auch keinen Zusammenhang zwischen Rabattverträgen und Produktionsverlagerungen nach Asien. Dieser Prozess habe schon vor mehr als zehn Jahren eingesetzt, um Herstellungskosten zu senken, aber auch, um dort neue Märkte zu erschließen.

Und zum Thema Qualität heißt in der AOK-Stellungnahme: "Immer mehr Zulieferer erfüllen internationale Standards, so zum Beispiel die Anforderungen der FDA."

In der aktuellen Diskussion um punktuelle Lieferengpässe gehe es überwiegend um Probleme im stationären Bereich. Die Gründe seien vielschichtig. Dazu räumten Hersteller Engpässe bei Wirk- und Hilfsstoffen ein sowie Ausfälle von Produktionsanlagen oder Produktmängel.

Im ambulanten Bereich seien Lieferengpässe lediglich vereinzelt aufgetreten. Hier weist die AOK ausdrücklich darauf hin, dass bei Lieferengpässen die Verordnung eines alternativen Produkts gleichen Profils möglich sei.

Hermanns Fazit insgesamt: "Die Entlastung der Arzneimittelausgaben um 1,6 Milliarden Euro jährlich senkt letztlich auch die Kostenlast für Ärzte. Darin sehe ich nur Vorteile."

Wirkstoffe, Bieter und Zuschläge im AOK-System

TenderVertragszeitWirkstoffe
ausgeschrieben
Wirkstoffe rabattiertTeilnehmende Bieter/BG*Bezuschlagte Bieter/BG*
AOK I200789431211
AOK II2008/200982228330
AOK III2009 - 201164636822
AOK IV2010 - 201294808826
AOK V2010 - 20121212369
AOK VI2011 - 201387807330
AOK VII2012 - 2014105928336
AOK VIII2012 - 201421194014
AOK IX2013 - 201434263920
AOK X2013 - 201586825828
AOK XI2013 - 2015882312
*) Bietergemeinschaften
Quelle: AOK-BV, Tabelle: Ärzte Zeitung

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