Sonderdruck, 09.11.2009

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Bei Krebserkrankungen trennen sich Ost und West

Die langen Latenzzeiten sind der Grund dafür, dass bei einigen Krebsarten die Sterblichkeitsraten im Westen und Osten Deutschlands immer noch voneinander abweichen. Experten rechnen aber mit einer Angleichung.

Von Christiane Badenberg

Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall gibt es bei Krebserkrankungen noch Unterschiede zwischen Ost und West. Das zeigt der Bericht "20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Wie hat sich die Gesundheit in Deutschland verändert", den das Robert-Koch-Institut kürzlich veröffentlicht hat.

Die Unterschiede betreffen allerdings lediglich einzelne Krebsarten. So zeigt sich die größte Differenz nach wie vor beim Brustkrebs. Die Brustkrebssterblichkeit lag in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland um 15 Prozent niedriger als im Westen.

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Auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Brustkrebssterblichkeit in den neuen Ländern niedriger als im Westen.

Foto: www.imagesource.com

Zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist die Erkrankungs- und Sterberate in den neuen Bundesländern immer noch um ein Fünftel geringer als in den alten Ländern. Gründe dafür könnten nach Auffassung der RKI-Wissenschaftler unter anderem sein, dass ostdeutsche Frauen oft früher Kinder bekommen haben oder dass westdeutschen Frauen in den Wechseljahren öfter Hormonpräparate verordnet wurden, die unter dem Verdacht stehen, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Langfristig rechnen die Autoren allerdings damit, dass sich die Erkrankungs- und Sterberaten auch beim Brustkrebs annähern werden. Darauf deuteten Daten von jungen Frauen hin, die ausgewertet worden seien. Die Auswertung der Krebsregisterdaten hat auch gezeigt, dass Mortalitätsunterschiede, die es zum Beispiel Anfang der 90er Jahre noch beim Gebärmutterhals- und Prostatakrebs gab, mittlerweile weitgehend verschwunden sind.

Unterschiede, wenn auch in geringem Maße, gibt es dagegen außer beim bereits erwähnten Brustkrebs auch beim Magen- und Lungenkrebs, von denen Ostdeutsche häufiger betroffen sind. Als ein Grund für die höhere Zahl von Magenkrebserkrankungen werden unter anderem Veränderungen in der Lebensmittelverarbeitung und bei der Ernährung vermutet, zum Beispiel die frühere Abkehr von gepökeltem Fleisch im Westen. Da diese Erkrankungen eine lange Latenzzeit haben, sei erst langfristig mit einer Angleichung der Erkrankungszahlen zu rechnen, so das RKI.

Die unterschiedlichen Entwicklungen bei den einzelnen Krebsarten haben nach Auffassung der RKI-Autoren insgesamt dazu geführt, dass die Krebssterblichkeit für Männer in den neuen Bundesländern leicht über, bei den Frauen dagegen leicht unter der im Westen liegt.

Obwohl sich die Zahl der Neuerkrankungen und der Sterbefälle immer mehr annähern, ist das Gesundheitssystem in Ostdeutschland erheblich stärker belastet. Der Grund: Krebs trifft überwiegend ältere Menschen und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist in den neuen Ländern deutlich höher, weil viele junge Menschen auf der Suche nach Arbeit in den Westen gezogen sind. Die reine Krebssterberate, die nicht für die Altersstruktur korrigiert wird, belegt das: So liegt diese Rate für Männer in den Ost-Bundesländern um 16 Prozent und für Frauen um sieben Prozent über dem Westniveau.

Allerdings lassen sich die Unterschiede bei der Krebssterblichkeit nicht auf ein reines Ost-West-Gefälle reduzieren. So weist Baden-Württemberg für beide Geschlechter die niedrigste Rate auf, das Saarland dagegen bei Männern die höchste und bei Frauen die zweithöchste.

GESUNDHEIT IN OST UND WEST

Krebsfrüherkennung und U-Vorsorge - da gibt's kein Ost und West

Bei der Krebsfrüherkennung gilt schon seit etwa Mitte der 90er Jahre: Deutschland einig Vaterland. Schon sechs Jahre nach der Wiedervereinigung haben sich die Teilnahmeraten bei der Krebsvorsorge angeglichen. Das gilt ebenfalls für die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Im Jahr 2007 sind insgesamt 33,9 Millionen Leistungsfälle abgerechnet worden, 29,8 Millionen bei Frauen und 4,1 Millionen bei Männern.

Ähnlich sieht die Entwicklung bei der Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen für Kinder aus. In den frühen 90er Jahren war die Beteiligung im Osten noch wesentlich niedriger als im Westen. Eine Erklärung dafür ist, dass in der DDR Amtsärzte die Kinder in Krippen oder Schulen aufgesucht und dort untersucht haben. Nach der Wiedervereinigung mussten sich die Eltern erst an das Untersuchungsprogramm beim Kinder- oder Hausarzt gewöhnen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Teilnahmeraten in West und Ost stark angenähert.

Die Jugendgesundheitsstudie KIGGs hat gezeigt, dass die U3 noch von 95 Prozent wahrgenommen wird. Bis zur U7 liegt die Teilnahme bei über 90 Prozent. Zur U9 werden nur noch 86 Prozent der Kinder vorgestellt. Nicht Ost oder West, sondern Sozialstatus und Migrationshintergrund sind wichtige Faktoren für unterschiedliche Teilnahmeraten bei den U-Vorsorgen.

spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krankheiten wie Krebs." (HL)

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