Ärzte Zeitung online, 20.01.2017

Fernsehbericht

KVen verhindern Praxisaufkäufe

KBV: Tenor der ARD-Berichterstattung stand von Beginn an fest.

KÖLN. Die KBV weist den Eindruck zurück, dass hunderte von Praxen überflüssig sind und aufgekauft werden müssten. Das hatte das ARD-Magazin "Monitor" am Donnerstagabend suggeriert.

Das Fazit der Sendung: Die Ärzteschaft lasse die Regelungen des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes zum Praxisaufkauf in überversorgten Gebieten ins Leere laufen. "Monitor" hatte die regional ungleiche Verteilung der niedergelassenen Ärzte angeprangert.

Die Möglichkeit des Praxisaufkaufs in Gebieten ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent hätte für Abhilfe sorgen sollen. Der Widerstand der Ärztelobby habe aber dafür gesorgt, dass der Wert auf 140 Prozent erhöht wurde und dadurch viel weniger Gebiete und viel weniger Ärzte erfasst wurden.

Vier Sitze aufgekauft

Nach "Monitor"-Recherchen sind in allen KVen zusammen bislang nur vier Praxissitze aufgekauft worden, drei in Mecklenburg-Vorpommern, einer in Nordrhein – "trotz hunderter möglicher Schließungen".

Die Sprecherin des GKV-Spitzenverbands Ann Marini kritisiert in dem Beitrag, das Instrument des Aufkaufs habe den Versicherten nichts gebracht. Als ein Problem skizziert "Monitor", dass in den Zulassungsausschüssen bei Stimmengleichheit die Ärzte entscheiden.

Das Urteil des Gesundheitswissenschaftlers Professor Gerd Glaeske: "Die ärztliche Seite verteidigt zu stark ihre Besitzstände."

KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl kritisiert die einseitige Darstellung. Dabei hätten die KBV und die KVen versucht, die Zusammenhänge zu erläutern. "Der Tenor der Sendung stand von vornherein fest", schätzt Stahl.

Gemeinsame Entscheidung

Ein Versorgungsgrad von 140 Prozent bedeute nicht, dass eine Praxis automatisch in einem überversorgten Gebiet liegt, sagt er. Vor allem sei er kein Indiz dafür, dass sie nicht mehr benötigt werde.

"Auch in den scheinbar überversorgten Städten sind die Praxen voll, klagen Patienten über zu lange Wartezeiten", so Stahl. Zudem habe der Beitrag außer acht gelassen, dass Niedergelassene in Städten häufig Patienten aus dem Umland mitversorgen.

Wenn ein Arzt aus einer überversorgten Region die Praxis abgeben wolle, werde geprüft, ob ein Aufkauf Sinn macht. Die Entscheidung fällten Kassen und Ärzte gemeinsam. "Uns ist noch nicht aufgefallen, dass die Krankenkassen vor Ort großen Eifer an den Tag legen, um Praxen zu schließen", betont Stahl. Ohnehin sei der Praxisaufkauf nicht geeignet, Ärzte zur Niederlassung auf dem Land zu bewegen. (iss)

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