Ärzte Zeitung online, 13.08.2008

AOK-Studie sieht durch DMP klare Vorteile für Typ-2-Diabetiker

BERLIN (ble). Typ-2-Diabetiker, die an einem strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm, DMP) teilnehmen, haben offenbar eine deutlich größere Lebenserwartung als Patienten in der Regelversorgung. Das geht zumindest aus einer kontrollierten Studie des Universitätsklinikums Heidelberg im Auftrag des AOK-Bundesverbandes hervor.

AOK-Studie sieht durch DMP klare Vorteile für Typ-2-Diabetiker

Blutzucker-Kontrolle bei einem Diabetiker.

Foto: Elke Hinkelbein

Für die Untersuchung werteten die Mitarbeiter der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Uni-Klinikums ab Ende 2005 Daten von 2300 Patienten aus 85 Hausarztpraxen aus Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz aus. Nach Angaben der AOK handelt es sich um die erste bundesweite kontrollierte Studie.

Die Kontrollgruppe der in Regelversorgung behandelten Patienten umfasste 8779 Diabetiker aus 337 Praxen. Über einen Beobachtungszeitraum von 30 Monaten lag die Sterblichkeitsrate bei den DMP-Teilnehmern mit 10,9 Prozent (251 von 2300) deutlich niedriger als bei der Kontrollgruppe mit 18,8 Prozent (1649 von 8779). Allerdings waren die Patienten in der Kontrollgruppe mit 71,3 Jahren im Schnitt 1,3 Jahre älter als die DMP-Teilnehmer. Zudem fehlen Daten zur Schwere der Erkrankungen der erfassten Personen.

Um dennoch zu wissenschaftlich verwertbaren Ergebnissen zu kommen, führten die Experten weitere Analysen durch: So verglichen sie 1927 DMP-Patienten mit der gleichen Zahl von Patienten der Regelversorgung mit gleichem Alter (70,7 Jahre) und gleichem Geschlecht (60,3 Prozent Frauenanteil), die ähnlich schwer erkrankt waren und unter den gleichen Begleiterkrankungen litten. Auch dort habe sich bei der Sterblichkeit ein deutlicher Unterschied ergeben, sagte Professor Joachim Szecsenyi, Ärztlicher Direktor am Uniklinikum Heidelberg.

Während von den DMP-Teilnehmern 183 oder 9,5 Prozent der Patienten im Beobachtungszeitraum starben, waren es in der Kontrollgruppe 237 oder 12,3 Prozent. Insgesamt war die Chance, den Beobachtungszeitraum von 30 Monaten zu überleben, für DMP-Patienten 1,34-fach höher.

Als Gründe für die geringere Sterblichkeit nannte Szecsenyi verschiedene Aspekte, beispielsweise eine bessere Betreuung von DMP-Diabetikern, die dadurch nicht mehr unter dem "Radarschirm der Praxis" flögen, das Setzen von Prioritäten in der Behandlung oder eine bessere Kooperation der Hausärzte mit Fachärzten. "Das führt dazu, das wir sagen können: Diabetiker im DMP leben länger."

Weitere Auswertungsergebnisse der Studie, unter anderem zu den Kosten der Behandlung, sollen in den nächsten Monaten veröffentlicht werden. Etwa 2,3 Millionen AOK-Versicherte nehmen an DMP-Programmen teil, davon 1,4 Millionen im Diabetiker-DMP. Die Behandlungsprogramme wurden in Deutschland im Jahr 2003 eingeführt.

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