Ärzte Zeitung online, 11.09.2008

Hörtest für Neugeborene in Deutschland bald von Kassen bezahlt

DÜSSELDORF (dpa). Ein bundesweit angebotener Hörtest soll in Deutschland bis zu 2000 schwerhörige Babys pro Jahr vor einem Leben mit Folgeschäden bewahren. Zum 1. Januar 2009 könnte diese Leistung zur Kassenleistung werden.

Die gesetzlichen Krankenkassen hätten auf Initiative von Medizinern einen Rechtsanspruch auf ein "Hör-Screening" zum 1. Januar 2009 beschlossen, sagte Fachmedizinerin Professor Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen am Donnerstag in Düsseldorf. Von diesem Zeitpunkt an seien die Kassen dazu verpflichtet, die Kosten zu übernehmen.

In Düsseldorf trafen sich die Fachärzte für kindliche Hörstörungen zur Jahrestagung. Zehnhoff-Dinnesen arbeitet in diesem Fachgebiet am Universitätsklinikum Münster und ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. Das "Hör-Screening" auf angeborene Schwerhörigkeit solle in den ersten drei Lebensmonaten erfolgen. Ziel sei es, mit dem maximal zwei Minuten langen Test Babys vor Sprachstörungen und Entwicklungsdefiziten zu schützen. Für betroffene Kinder gebe es leistungsfähige und robuste Hörgeräte.

"In den ersten Lebensmonaten entwickeln sich die Hörbahnen eines Kindes", sagte Zehnhoff-Dinnesen. "Je länger ein Hörverlust unentdeckt bleibt, desto schwieriger wird es für das Kind, den Rückstand in der Sprachentwicklung aufzuholen." Mit einem Hörgerät werde dem Kind der Start ins Leben wesentlich erleichtert. Wenn schwerhörige Kleinkinder dagegen Worte falsch abspeicherten oder ihr Vokabular nicht entwickelten, sei dies später schwer zu behandeln. Zurzeit würden bundesweit Krankenschwestern in dem Test geschult.

"Wir wollen dieses Elend nicht mehr sehen", sagte Verbandssprecher Professor Rainer Schönweiler von der Universität Lübeck. "Es tut einfach weh, wenn ein Zweieinhalbjähriger in die Sprechstunde kommt, bei dem man rechtzeitig hätte eingreifen können." Nach Schätzungen sind von 1000 Babys ein bis drei Kinder betroffen. Bis vor wenigen Jahren seien Störungen des Hörvermögens erst bei Zweijährigen festgestellt worden, weil Eltern dann das Verhalten des Kleinen aufgefallen sei, hieß es.

In Schleswig-Holstein, Hamburg, Hessen und dem Saarland seien Hör- Screenings an Babys bereits der Regelfall, schilderte Schönweiler. 95 Prozent der Säuglinge würden dort getestet. Beim bundesweiten Modell sei auch geplant, die Säuglinge zentral zu erfassen. Ziel sei es, nach der Diagnose auch eine Therapie sicherzustellen.

Eltern, die trotz eines Hörschadens der Kinder nicht handelten, würden zur Not mehrfach angesprochen. Die kleinen Patienten zeigten keinerlei Scheu vor Hörgeräten, sagte der Verbandssprecher: "Wenn Kinder das Hörgerät brauchen, tragen sie es auch. Es gibt keine nennenswerten Probleme."

www.dgpp.de

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